Ausflug nach da, wo die Milch herkommt

Leben Bio-Kühe glücklicher? Wie viel Milch gibt denn so eine Kuh pro Tag? Wie viel trinkt eine Kuh? Warum sollte man Bio-Milch kaufen? All diese Fragen konnten wir jemandem stellen, der es wissen muss…

Vom 18.-20. Januar zog sich ein Teil unserer rehab republic – Crew in die Berge zurück, um die künftigen Monate zu planen. Da lag es natürlich nahe, dass wir Stadtkinder uns zur mentalen Regenaration in einer Diskussionspause auf einem Bauernhof umschauten, um die Frage zu klären, ob es überhaupt Sinn macht, den Verbrauchern den Konsum von Bio-Produkten zu empfehlen. willk11Also machten wir uns auf den Weg zum Andrebauernhof in Inzell, um uns mal aus erster Hand über das Geschehen und die Probleme und Bedürfnisse eines Milchbauern zu informieren. Wir erfuhren sehr viel Neues – und durchaus überraschendes.

Symbiose aus Tourismus und Landwirtschaft

Mit ihren 20 Michkühen ist der Hof ein eher kleiner und so ist es für die Familie Bauregger unmöglich, alleine von der Milchviehwirtschaft zu leben. Als Hauptstandbein vermieten sie daher einige Ferienwohnungen. Ein Bauernhof mit all seinen Tieren und den vielseitigen Freizeitmöglichkeiten macht besonders für Kinder (und damit für Familien) den Urlaub zum Vergnügen, weshalb viele Bauern den Tourismus mit der Landwirtschaft verbinden.

1997 entschlossen sich die Baureggers ihre Landwirtschaft auf Bio umzustellen, da sie ohnehin schon vorher auch ohne entsprechende Zertifizierung viele Kriterien der ökologischen Landwirtschaft erfüllten. So hielten sich die Investitionsmaßnahmen in Grenzen und seit 1997 verkaufen die Baureggers ihre vom Verband Naturland zertifizierte Milch an die Michwerke „Berchtesgadener Land“. Für Naturland entschieden sie sich unter anderem, weil ihnen die Kriterien des EU-Biosiegels bzgl. Umweltschutz und Tierhaltung nicht weit genug gehen. Der Unterschied zwischen Naturland und EU-Biosiegel wird hier deutlich.

Ökologische Landwirtschaft nützt dem Landwirt, den Tieren, der Natur und der Gesellschaft

Auch wenn sich durch den Verkauf von Biomilch etwas mehr Geld verdienen lässt als durch den Verkauf konventioneller Milch, reicht es bei weitem nicht, um bei dieser Betriebsgröße ausschließlich davon leben zu können – deshalb sind neben dem zweiten Standbein „Tourismus“ auch Agrarsubventionen von Nöten. Das ist keine Ausnahme – die romantische Vorstellung, dass wir für unsere Lebensmittel so wenig ausgeben und kleinbäuerliche Strukturen trotzdem rentabel sind, ist schon längst eine Illusion. Gerade wenn man bedenkt, dass nicht einmal die Hälfte des Preises, den wir im Laden für den Liter Milch zahlen bei den Bauern ankommt.

Da wird uns wieder bewusst, wie wichtig es wäre, wenn die Agrarsubventionen ausschließlich in kleinbäuerliche Strukturen von ökologisch wirtschaftenden Betrieben fließen würden, anstatt riesige Betriebe oder Lebensmittelexporte zu unterstützen.

Denn von der ökologischen Landwirtschaft profitieren nicht nur die Landwirte sondern vor allem die Tiere, die Natur und die ganze Gesellschaft. Die Kühe profitieren u.a. von deutlich mehr Platz, häufigerem Auslauf und Weidegängen, mehr Stroh in den Liegebereichen der Ställe und natürlicherer Fütterung. Futter ist ein gutes Stichwort – da die Baureggers wie alle Biobauern auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel verzichten, tragen sie auch zur langfristigen Fruchtbarkeit unserer Böden bei, sparen Energie ein und fördern die Artenvielfalt. Zusätzliches Kraftfutter, wie Mais oder Soja, was für viele Bauern unverzichtbar ist, kommt in geringerem Ausmaß und aus rein ökologischen Quellen zur Verwendung. So hat die ökologische Ausrichtung des Hofes positive Auswirkungen weit über die Weidezäune hinaus. Weitere Vorteile der ökologischen Landwirtschaft gibt es hier.

Jede Kuh gibt pro Tag gut 20 Liter Milch

Nachdem wir all unsere Fragen losgeworden waren, konnten wir es natürlich nicht erwarten, die Ställe & Melkanlage zu sehen, mit den Kälbern, Kühen und Ziegen in Kontakt zu treten und uns bei ihnen persönlich für die leckere Milch zu bedanken. Einige spannende Zahlen bekamen wir auch hier noch zu hören. Im Durchschnitt gibt jede Kuh der Baureggers 20-25 Liter Milch pro Tag (mit viel Kraftfutter sind es in der konventionellen Tierhaltung sogar oft deutlich über 40 Liter!!), frisst gut 30 kg Futter und trinkt etwa 60-70 Liter Wasser… Respekt!

100_08242-mal am Tag können die Kühe ihre gefüllten Euter in der halbautomatischen Melkanlage entleeren. Jeden zweiten Tag wird die Milch dann von der Molkerei abgeholt, weiterverarbeitet und landet dann als Bio-Alpenmilch in unseren Läden.

Das ganze geschieht unter strenger Kontrolle, jährlich wird der Hof auf die Naturland-Kriterien hin geprüft und bekam erst letztes Jahr eine unangekündigte Kontrolle – das führt dazu, dass auch Bio drin ist, wo Bio drauf steht.

Wer sich selber einen Eindruck von der Arbeit auf einem Biohof machen will, sollte definitiv seinen Urlaub mal auf einem Bauernhof wie dem Andrebauernhof verbringen. Gerade für Kinder ist da höchstes Vergnügen vorprogrammiert.

Wir werden in jedem Fall in Zukunft beim Kauf unserer Bio-Milch an die Kühe aus dem Andrebauernhof denken und sehr gerne dafür ein paar Cent mehr ausgeben!