Das Geschäft mit dem Fahrrad läuft!

Deutschland – ein Autoland? Im Jahr 2011 wurden in Deutschland 4,5 Millionen neue Fahrräder und 2,9 Millionen neue Autos verkauft.

Quelle des rehab impuls: Das Rad der Weisen. Neue Konzepte für die urbane Mobilität der Zukunft – Stadtplaner und Bürgermeister setzen auf das Fahrrad, Süddeutsche Zeitung, Januar 2012

Bei all den Staus auf den Straßen, vor allem in den Großstädten, könnte man leicht vermuten, dass sich die gesamte Bevölkerung nur noch mit dem Auto fortbewegt. Doch der Absatzmarkt für Fahrräder ist in den letzten Jahren enorm gewachsen, sodass unter vielen Stadtplaner mittlerweile von einer Renaissance des Fahrrads im öffentlichen Raum gesprochen wird.

Autos weit und breit

Die weltweite Zunahme an Großstädten und Metropolen als Folge der Verstädterung erhöht die Relevanz der momentanen und zukünftigen Mobilität im städtischen Raum. Vor allem die Erfolgsgeschichte des Autos wird in diesem Zusammenhang zunehmend kritisch betrachtet. Zu viele negative Effekte entstehen durch das Auto. Problematische Folgen sind dabei unter anderem die Umweltbelastungen, Zeitverluste bedingt durch Staus, gesundheitliche Probleme z. B. durch Feinstaub, Verkehrstote oder Verkehrslärm. Maßgeblich bei der Umweltbelastung ist die Problematik des Klimawandels insbesondere auch aufgrund des jährlichen Anstiegs der Anteile an CO2-Emissionen durch den motorisierten Verkehr. Weiterhin stellt die Raumkonkurrenz im urbanen Raum einen Faktor dar, der Automobile immer häufiger problematischer erscheinen lässt. Der Platzengpass wirft die Frage auf „Wohin mit den vielen Autos?“. Eine Lösung stellt womöglich das Fahrrad als deutlich älteres Fortbewegungsmittel dar. Auch weil Fahrräder durch neue technische Entwicklungen, wie dem Elektrofahrrad, immer attraktiver werden.

Tradition schlägt Moderne

In den letzten Jahren ist neben dem Anstieg des der öffentlichen Verkehrsmittel eine Zunahme des Fahrradverkehrs zu beobachten. Der Fahrradanteil am Gesamtverkehr ist von 1998 bis 2008 von 10 auf 14 Prozent gestiegen, während im gleichen Zeitraum der Autoanteil von 44 auf 42 Prozent gesunken ist. In absoluten Zahlen sind die Wege pro Tag mit dem Fahrrad im Zeitraum von 2002 bis 2008 von 24 auf 28 Millionen gestiegen.  Auch der Absatzmarkt für Fahrräder boomt hierzulande. Im Jahr 2011 wurden in Deutschland 4,5 Millionen neue Fahrräder gegenüber 2,9 Millionen Neuwagen verkauft. In Deutschland kommen im gleichen Jahr damit auf ca. 82 Millionen Bürgern laut Statistischen Bundesamt 73 Millionen Fahrräder neben 42 Millionen Autos.
Entscheidend für diese Entwicklung sind wohl die zahlreichen Vorteile, die das Fahrrad bietet. Ein Vorteil ist die Umweltfreundlichkeit des Fahrrads gegenüber den hohen Emissionen des Automobils. Überdies kann das Fahrrad teilweise eine schnellere Form der Fortbewegung in der Stadt sein und Verkehrstaus vermeiden. Ebenso ist das Fahrrad ein gesundes Fortbewegungsmittel. Außerdem spricht der immer weiter steigende Spritpreis für die häufigere Nutzung des Fahrrads als kostengünstigeres Verkehrsmittel.

Gleichwohl beinhaltet das Fahrrad durchaus auch gewisse Nachteile: die körperliche Anstrengung, die Schwierigkeit Gegenstände zu transportieren, die Problematik längerer Distanzen oder die Abhängigkeit vom Wetter. Wobei beispielsweise das Problem längere Distanzen in der Stadt oftmals weniger bedeutsam ist, da sich der Großteil des Verkehrs hier über kürzere Wege erstreckt. Auch der Nachteil der körperlichen Anstrengung wird durch den Anstieg an Elektrofahrrädern (Pedelecs) zunehmend abgeschwächt. Die Zahlen belegen dies: während im Jahr 2010 in Deutschland ungefähr 200 000 Elektroräder verkauft wurden, waren es 2011 bereits schon 300 000.
Zusammenfassend deutet vieles darauf hin, dass für die meisten Menschen die Vorteile des traditionellen und wohl wieder modernen Fortbewegungsmittels Fahrrad überwiegen. Wie unsere Städte in Zukunft aussehen könnten, zeigt ein Blick in die „Fahrradstadt“ Kopenhagen.

„Copenhagenize“!

Vielfach wird Kopenhagen als ein Musterbeispiel für eine klimafreundliche und menschengerechte Stadt bezeichnet. Mittlerweile ist sogar der Begriff „Copenhagenize“ zu einem Synonym für die Entwicklung lebenswerter Städte geworden. Eine stärkere Integration des Fahrrads in den städtischen Verkehr durch eine verbesserte Infrastruktur ist dabei ein zentraler Bestandteil der Kopenhagener Stadtplanung.
Eine fahrradgerechte Infrastruktur ist in Kopenhagen bereits weit ausgebaut, sodass die FahrradfahrerInnen das Stadtbild inzwischen maßgeblich prägen. Kopenhagens urbanes Mobilitätskonzept zeichnet sich durch eine hohe Quantität und Qualität des Fahrradnetzes aus und wird weiter massiv gefördert. So müssen zugunsten von neuen und breiteren Fahrradwege vielfach Autofahrbahnen weichen. Außerdem sind bei bereits hoch frequentierten Wegen Schnellstraßen für Fahrradfahrer in Planung und Umsetzung. Für Pendler sind Duschen und Umkleiden in Büros vorhanden und bei Neubauten in der Stadt müssen Abstellmöglichkeiten für Fahrräder installiert werden.
Aus diesen und weiteren Gründen sehen viele Kopenhagener BürgerInnen einige Vorteile durch das Fahrrad gegeben. Sie finden laut Umfragen, dass das Fahrrad ein schnelles, gesundes, billiges und ökologisches Fortbewegungsmittel ist. Das urbane Mobilitätskonzept hat damit nicht nur positive Auswirkungen auf die Umwelt durch Emissionsersparnisse, sondern ebenfalls auf die Zufriedenheit der BürgerInnen, von denen neun von zehn angeben glücklich zu sein.

Doch die Stadt gibt sich mit dem Status quo nicht zufrieden. Die zukünftigen Ziele Kopenhagens sind weiter sehr ambitioniert. So sollen beispielsweise bis 2015 über 50 Prozent statt bisher 36 Prozent der BürgerInnen mit dem Fahrrad zur Arbeit gelangen.
Neben der aktiven Stadtplanung hat sich in der Kopenhagener Gesellschaft eine Fahrradkultur in der Zivilgesellschaft entwickelt, woraus auch der Blog „Copenhagenize.com“ entstanden ist. Neben verschiedenen Texten, Gastbeiträgen und Fakten zum Fahrrad findet man auch eine ansteigende Kilometeranzeige mit der am jeweiligen Tag bis zum jeweiligen Zeitpunkt durchschnittlich zurückgelegte Strecke aller Kopenhagener mit dem Fahrrad.

rehab-Taten – was jeder tun kann

  • Vor allem bei kurzen Strecken zur Arbeit können wir mit dem Fahrrad pendeln.
  • Bei längerer Distanz zwischen Wohn- und Arbeitsort fahren wir mit dem Fahrrad zur nächstgelegen Station der öffentlichen Verkehrsmittel und von dort aus weiter mit Zug/S-Bahn/U-Bahn/Bus/Tram.
  • Bei  alltäglichen Besorgungen (z. B. Einkaufen) und Tätigkeiten (z. B. Arztbesuch, Freunde treffen) ist das Fahrrad äußerst praktisch, gesund, ökologisch und oftmals schneller als das Auto. Fahrradkörbe oder – taschen lassen uns den Einkauf ohne große Anstrengungen transportieren.
  • Als sportliche Tätigkeit in der Freizeit ist das Fahrrad ideal für Ausflüge in die Natur und zu Naherholungsgebieten

 

Weitere Quellen:

Das Deutsche Mobilitätspanel, Informationen über das Verkehrsgeschehen und das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung
Copenhagenize, Blog
Copenhagenize Index, Liste der fahrradfreundlichsten Städte (u.a. mit den deutschen Städten Berlin, München, Hamburg)

Weiterführende Informationen

Kopenhagen: Highway fürs Rad,  Spiegel Online, August 2012
Mobiles Kopenhagen: Stadt auf Rädern, Spiegel Online, August 2011
Weltweite Datenbank zu Radreisen