Alltag ohne Plastik – Geht das?
Tag 7: sunny sunday with sunshine.

Sunday, bloody sunday? Heute zum Glück nicht. Auch wenn beim radikalen Plastikverzicht viele Freizeitbeschäftgungen wegfallen: Musik hören, Joggen, Snowboardfahren oder Schlittschuhlaufen, E-Piano spielen, Fotografieren (wenn’s nicht Zwecks Selbstversuch ist) DVDs gucken, malen mit Acrylfarben oder Filzstiften. Alles nicht erlaubt. Da bin ich doch froh, wenn ich meine Anlage ab morgen wieder verwenden kann. Eine Woche ohne Musik war schön eine Zumutung) Immerhin darf man lesen, mit Bleistift oder Kreide zeichnen und kleistern. Hatte eigentlich vor, eine plastikfreie Trommel zu bauen, hatte aber nicht mehr genug Backpapier, deshalb war ich heute draußen in der Sonne und habe endlich angefangen eine Mütze zu häkeln. Meine Nadel ist aus Metall ohne Kunststoffgriff und die Wolle ganz ohne Synthetik. Dazu gabs Plätzchen, die gestern in einem Päckchen von meiner Mutter hier ankamen, zum Glück in einer Metalldose (und soweit ich das Rezept kenne, auch ohne Plastik gebacken). Blöd nur, dass die Mütze erst fertig ist, wenn der offizielle Teil des Selbstversuchs schon vorbei ist. Aber es soll ja noch was bleiben nach dieser Woche, sonst wär’s ja ganz umsonst gewesen.

Ja, was bleibt eigentlich? Für alle Probleme haben wir in dieser Woche keine Lösungen gefunden (wo bitte bekomme ich Linsen ohne Plastikverpackung?), viele haben sich uns in dieser Woche noch gar nicht gestellt (zum Beispiel plastikfreier Krankenhausaufenthalt, plasikfreie Getränke auf einem Konzert, Rauchen ohne Plastik, etc.). Es macht auch bestimmt keinen Sinn Plastik grundsätzlich zu verteufeln. Man kann damit tolle Sachen machen. Zum Beispiel Kunst. Kunststoffe haben unbegrenzte Formbarkeit, weil sie vom flüssigen in harten Zustand überführt werden. Es lassen sich die unterschiedlichsten Farben realisieren, man kann Transparenz erzeugen, ohne dass es das Gewicht und die Zerbrechlichkeit von Glas hat. Dabei gibt es ganz andere Probleme als bei den Wegwerfartikeln aus Kunststoff. Denn so schlecht sich Kunststoffe in der Umwelt in ihre chemischen Bestandteile zerteilen und wieder in einen Stoffkreislauf bringen lassen, so schlecht lassen sie sich vor Alterungsprozessen wie Versprödung oder Verfärbung bewahren. Restauratoren aus aller Welt beklagen, dass sie den Prozess der Alterung nicht aufhalten können. Welch‘ Ironie, dass das was wir bewahren wollen zerfällt und das was wir achtlos wegwerfen, jahrhunderte lang in den Weltmeeren herumschwimmt. Für die Restaurierungs- und Kunstinteressierten dazu ein kurzer Film auf Youtube.

Eines weiß ich jetzt schon. Auf meine Anlage, mein E-Piano und meinen Leuchtglobus will ich in Zukunft nicht verzichten. Eine Woche ohne Musik war schon ziemlich viel verlangt. Nur besser mit den Dingen umgehen sollte ich, damit sie mir möglichst lange erhalten bleiben.

An vielen Stellen war es jedoch ganz einfach und sinnvoll, ohne Plastik auszukommen. Man muss sich nur anders organisieren. Meine Einkaufsausrüstung besteht inzwischen aus einem Konglomerat alter Bäckerstüten, Gläschen und Teedosen. Wenn man etwas Zeit hat, kann man Geld sparen, indem man vieles selber macht. Und ein Stück Seife zum Haare waschen kann ich allen BesitzerInnen dünner Haare empfehlen. Noch nie hatte ich eine so fluffige Frisur wie diese Woche.

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Zu guter letzt auch von mir noch ein paar Bilder von plastikfreiem Essen dieser Woche. Ein Highlight war die Entdeckung eines schokoladigen Brotaufstriches: Man nehme eine Banane und Kakaopulver, mache mithilfe einer Gabel eine Creme daraus und schmiere diese aufs Brot. Bei Bedarf gehackte Erdnüsse (für den Snickers-Effekt) oder Hasselnüsse (für den Nougat-Effekt) darauf. Dieser Brotaufstrich hat definitiv Post-Plasikfreie-Woche-Verwendungs-Potential.

Für die Sonntagabend-Doku-Gucker unter euch noch einen positiven Film über kreative Müllverwerter in Dakar. Sehr, sehr coole Typen und ’ne schöne Lebensgemeinschaft. Läuft nur noch bis nächsten Dienstag auf Arte+7.

Gute Unterhaltung, Inspiration, schöne Träume und einen fröhlichen Start in die neue Woche wünscht euch Dorothea