Geld macht glücklich?

Obwohl das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland in den letzten Jahrzehnten extrem gestiegen ist, sind die Menschen nicht glücklicher geworden!

Quellen: Glück in Deutschland nach Eurobarometer Interactive Search System; Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt nach Statistischem Bundesamt


Viele Menschen streben nach einem immer höheren Vermögen, da sie glauben, das würde sie glücklicher machen. Aber ist das wirklich der Fall?

Gewisser Lebensstandard macht zufriedenThe geography of happiness

Grundsätzlich sind Personen mit höherem Verdienst bis zu einem gewissen Grad zufriedener als solche mit sehr niedrigem. Dieser Zusammenhang zwischen Geld und Zufriedenheit lässt sich besonders beim Ländervergleich beobachten. In Staaten mit geringem Durchschnittseinkommen (z.B. Haiti) bezeichnen sich weniger Menschen als glücklich als in Staaten mit einem höherem Pro-Kopf-Einkommen (z.B. Spitzenreiter Dänemark). Insofern führt also ein gewisses Vermögen zu einem Lebensstandard, der ein lebenswertes Leben ermöglicht und somit für das Glück von Menschen förderlich ist.

Geld steigert die Zufriedenheit nicht unendlich

Dieser Effekt zeigt sich aber laut Wissenschaftlern nur bis zu einem gewissen Einkommen. Bei welchem Gehalt die Glücksgrenze erreicht ist, ist unter Forschern allerdings umstritten. Gemäß einer Studie aus dem Jahr 2010 liegt die Grenze für die USA bei einem jährlichen Haushaltseinkommen von 58.000€ im Jahr, laut Autor Marco von Münchhausen liegt sie in Deutschland bei 20.000€ netto pro Jahr. Wer also so viel verdient und eine Gehaltserhöhung bekommt, den macht das zusätzliche Geld nicht automatisch zufriedener.
Wir in Deutschland sind trotz steigendem Reichtum in den letzten Jahrzehnten nicht glücklicher geworden. Von 1973 bis 2011 nahm die Zahl der „nicht wirklich zufriedenen“ Personen leicht ab (von 15% auf 10%) und die der „sehr zufriedenen“ Menschen (von 17% auf 25%) leicht zu. Eine über die Jahre ziemlich gleich bleibende 2/3-Mehrheit bezeichnete sich allerdings als „ziemlich glücklich“. 1973 lag die Zahl sogar um 2 Prozentpunkte höher als 2011. Die Grafik stellt die Ergebnisse dar:

Glücksumfrage

Daher kann man grundsätzlich festhalten: Die deutsche Bevölkerung ist im Wesentlichen nicht bzw. nicht viel glücklicher geworden. Und das eben trotz eines stetigen Anstiegs des Bruttoinlandsprodukts im gleichen Zeitraum, wie die nachfolgende Grafik zeigt.

Bruttoinlandsprodukt Deutschland

 

Geld alleine macht also nicht automatisch glücklich.

Wir gewöhnen uns an Reichtum und vergleichen uns mit Mitmenschen 

Vor allem zwei Mechanismen können dieses Phänomen erklären. Zum einen kommt der Gewöhnungseffekt zur Geltung. Das heißt, die Freude über mehr Geld verfliegt, weil die Psyche den Referenzpunkt der eigenen Unzufriedenheit schnell wieder erreicht, sich also an das höhere Einkommen wieder angepasst hat. Schon Plinius der Ältere sagte um 0 v. Chr.: „Dinge, die wir besitzen, bewahren selten den Zauber, den sie hatten, als wir sie erstrebten.“ Das gilt wohl nicht nur für Dinge, sondern auch für Geld.
Zum anderen besitzt der Mensch die Tendenz, sich mit anderen zu vergleichen. Sollten andere also auch mehr Geld erhalten, so haben Studien gezeigt, erlebt der Einzelne keinen sonderlichen Glückszuwachs. Nichtsdestotrotz glauben wir daran, dass materielle Güter uns mehr nützen als beispielsweise soziale Beziehungen. Und erkennen oftmals erst später die Fehleinschätzung.

Andere Dinge machen uns glücklich

Viel mehr Einfluss auf unsere Zufriedenheit als Geld hat es, wenn wir überhaupt über eine Arbeit verfügen. Der Jobverlust macht uns unglücklich, selbst wenn wir weiterhin Gehalt beziehen oder staatliche Unterstützung erhalten. Denn es ist weniger der materielle Lohn des Arbeitens, der unsere Zufriedenheit beeinflusst, als der immaterielle wie soziale Anerkennung, Lob oder Zuneigung.
Zudem spielen andere Faktoren, wie die politischen Gegebenheiten (demokratische Strukturen, Partizipationsmöglichkeiten etc.), eine gewichtige Rolle. Für unser Wohlbefinden sind außerdem unsere sozialen Beziehungen von Bedeutung. Unsere Familienverhältnisse oder Freundschaften prägen unseren Alltag und beeinflussen unsere Zufriedenheit. Nicht zuletzt ist dafür eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit dringend notwendig.

 

Wie wir uns vom Irrglauben des Glücksbringers Geld“ befreien können:

  • Wir vergleichen uns nicht nur „nach oben“ sondern besonders „nach unten“, d.h. mit denen, die weniger haben als man selbst. Einerseits können wir dies innerhalb Deutschlands tun, aber dabei auch ärmere Länder berücksichtigen. Denn der Blick über den Tellerand lohnt sich, um zu sehen in welch begünstigter Lage wir uns befinden.
  • Die eigene Wertschätzung von Geld gegenüber Faktoren wie beispielsweise Freizeit oder sozialen Beziehungen überdenken. Insgesamt auf eine gute „Work-Life-Balance“ achten.
  • Wir denken an den Anpassungseffekt der Psyche: Man gewöhnt sich ebenso wie an ein hohes Einkommen auch sehr schnell an ein geringeres. Das kann uns die Angst vor geringerem Einkommen nehmen und sollte ebenso das Streben nach immer höherem Vermögen in Frage stellen.
  • Wissenschaftliche Erkenntnisse der Glücksforschung tragen wir in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft.
  • Den eigenen Konsum hinterfragen wir und machen uns bewusst, dass heutiges Marketing besonders das Wecken von Bedürfnissen zum Ziel hat. Das Befriedigen dieser geschaffenen Bedürfnisse macht uns jedoch wenn überhaupt nur kurzfristig glücklich.

Weiterführende Informationen

  • Den Versuch „Glück“ zu unterrichten beschreibt folgender Zeit-Artikel.
  • Interessante Einträge rund um das Thema Glück finden sich im Blog glücksforschung.de.
  • Das aus einem Studentenprojekt hervorgegange Misterium für Glück und Wohlbefinden möchte den öffentlichen Diskurs zum Thema Glück der Gesellschaft stärken und ist in verschiedenen Medien aktiv, u.a. auch auf facebook.
  • Ein solches Ministerium gibt es bereits. Allerdings nicht in Deutschland sondern im Königreich Bhutan. Näheres hierzu in unserem rehab impuls vom 02.10.2012.
  • Was ist wichtiger: Zeit oder Geld? Dieser Frage geht auch ein Bericht von „ttt“ nach:

 

Autor: Name Nachname ist ein Tausendsassa – sie ist nicht nur Erzieherin und Erlebnispädagogin, sondern hat zudem einen Bachelor im Studiengang Management Sozialer Innovationen und einen Master im Studiengang Advanced Design in der Tasche. Name arbeitet freiberuflich als Querdenker, Katalysator, Innovator und Kreativkopf bei Sichtbarmacher.