Giftiger Export

Aus den Augen, aus dem Sinn? Aus Deutschland werden jährlich rund 155 000 Tonnen Elektroschrott exportiert – ein Großteil davon nach Afrika.

Quelle: Studie der Ökopol GmbH: „Optimierung der Steuerung und Kontrolle  grenzüberschreitender Stoffströme bei Elektroaltgeräten /Elektroschrott“

Die technische Entwicklung von Elektro- und Elektronikgeräten verläuft rasant, die Preise purzeln und wenige Jahre alte Geräte gelten als überholt. In den letzten Jahren werden so immer mehr ausgediente, oft noch funktionsfähige Videorecorder, Kühlschränke und zahlreiche andere Elektrogeräte entsorgt – alleine in Deutschland circa 750 000 Tonnen pro Jahr. Aber was heißt „entsorgt“?

Export billiger als fachgerechte Entsorgung

2005 wurden in Deutschland Gesetze erlassen, die die Entsorgung regeln, Rohstoffe retten und Giftstoffe minimieren sollen. Dennoch wird weniger als ein Drittel des anfallenden Elektroschrotts ordnungsgemäß beseitigt, schätzt man beim Bundesverband für Sekundärrohstoffe und Entsorgung.
Da es für Entsorgungsfirmen in Deutschland oft günstiger ist defekte Elektrogeräte nach Afrika zu verschiffen, als sie im Inland fachgerecht zu verwerten, wählen viele diesen fragwürdigen Weg. Dazu wird Elektroschrott als gebrauchte Handelsware deklariert (der Export von gefährlichem Elekroschrott ist per EU-Gesetzgebung verboten) und in Schwellen- und Entwicklungsländer exportiert – ein Großteil davon gelangt so beispielsweise nach Ghana.
So werden Jahr für Jahr ca. 155 000 Tonnen Elektroschrott exportiert. Da die oft giftige Ware auf verschiedenen Wegen das Land verlässt, fällt es schwer eine exakte Zahl zu ermitteln. Eine vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebene Studie des Instituts für Ökologie und Politik (Ökopol) geht von 93 000 bis 216 000 Tonnen aus (Mittelwert 155 000 Tonnen).

Krebserregende Stoffe werden freigesetzt

In den Empfängerländern wird mechanisch und durch Verbrennen versucht aus den nicht mehr reparablen Elektrogeräten verwertbare Rohstoffe zu gewinnen. Dabei werden Dioxine sowie Blei, Kadmium und andere krebserregende Stoffe freigesetzt und von den Menschen eingeatmet. Gerade Kinder, die versuchen mit dem Sammeln von Kupfer- und Eisenresten etwas Kleingeld zu sammeln, sind davon betroffen. Der Teil der Giftstoffe, der nicht in die Luft entweicht, gelangt in die Erde und verseucht dort Boden und Grundwasser. So entstehen Bilder (siehe Videos weiter unten), die wir uns kaum vorstellen können, wenn wir unseren ausgedienten Computer zum Wertstoffhof bringen.
Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, kritisiert nicht nur diesen Export an Gefahrstoffen, sondern merkt auch an, dass durch den Export „viele kostbare Rohstoffe wie Gold, Kupfer, Platin oder Indium für den Rohstoffkreislauf bei uns verloren gehen”. Er führt weiter an: „So lange ein umweltgerechtes Recycling nur in Europa oder ähnlichen Regionen vertretbar und technisch zufriedenstellend möglich ist, sollten die entsprechenden Geräteteile oder Geräte dort verwertet werden.“

 

rehab-Taten – was jeder tun kann

  • Den Kauf von neuen Elektronikgeräten einzuschränken ist der wichtigste Schritt, um die Flut an Elektroschrott einzudämmen. Ohne einen Computer kommt man mittlerweile kaum mehr aus, aber auf die viele kleinen Elektrogeräte für wenige Euro, die oft schnell kaputt gehen und in der Mülltonne landen kann man durchaus verzichten.
  • Ebenso muss bei größeren Elektrogeräten das alte Modell nicht entsorgt werden, solange es noch funktionsfähig ist. Kann man es selber nicht mehr brauchen, findet man im Bekanntenkreis Abnehmer, für die das Gerät noch nützlich ist.
  • Alte Handys müssen nicht einfach weggeschmissen werden oder in der Schublade verstauben. Stattdessen könnt Ihr sie an eine gemeinsame Initiative der Deutschen Umwelthilfe und der Deutschen Telekom verkaufen: handysfuerdieumwelt.de
  • Bei defekten Elektrogeräten lohnt sich die Reparatur oft auch finanziell – aus Nachhaltigkeitssicht ist sie einem Neukauf immer vorzuziehen.
  • Ein Notebook muss beispielsweise nicht weggeschmissen werden, weil der Akku nur noch 10 Minuten hält oder der Computer nach 2 Jahren anfängt langsam zu werden. Neue Akkus gibt es ab 30 Euro. Langsam gewordene Notebooks laufen nach einer Neuinstallation des Systems meist wieder wie neu. Eine Anleitung ist in diversen Online-Foren schnell zu finden.

Was sich weiterhin ändern sollte

Die Verantwortung zur Lösung des Elektroschrott-Problems liegt auch oder vor allem bei Politik und Unternehmen. So sollte beispielsweise bei der Herstellung von Elektrogeräten auf giftige Substanzen verzichtet werden und sie sollten so konstruiert sein, dass sie möglichst leicht demontiert werden können und wichtige Werkstoffe recycelt werden können. Defekte Altgeräte sollten von den Herstellern kostenlos zurückgenommen werden und deren Rohstoffe dem Kreislauf zurückgeführt werden. Klarere Gesetze könnten Zöllnern helfen, die Exporteure von Elektroschrott leichter aufzugreifen und zu bestrafen. Desweiteren könnten durch Techniktransfer die Recycling-Standards in Asien und Afrika angehoben werden.

Weiterführende Informationen

Die ZDF-Doku „Toxic City – Deutscher Giftschrott für Ghana“ zeigt Bilder aus den afrikanischen Müllhalden und beleuchtet den Weg des Elektromülls aus den großen Industrieländern nach Ghana (43:55 min).

Der kurze Beitrag des Spiegel TV Magazins zeigt die Zustände auf Mülldeponien in Ghana´s Hauptstadt Accra (2:52 min)

Die NDR-Doku „Schmeiß weg, kauf neu!“ zeigt warum wir heute so viel wegwerfen wie noch nie und warum das der Industrie recht ist (43:30 min).

 

  • Die Initiative StEP arbeitet auf verschiedenen Ebenen an einer Lösung des Elektronikschrott-Problems.