Lecker Radln, lecker Essen, lecker Biohof, bääh Wetter

Ganz ehrlich: Als wir am vorletzten Sonntag aufgewacht sind, war uns beim Blick aus unseren Fenstern nicht unbedingt nach einer langen Radtour zu Mute. Aber nachdem es abgemacht war, zogen wir es halt durch… und waren am Ende des Tages sehr froh, dass wir – obwohl durchnässt – einen so guten Tag verbracht hatten. Ein Tag mit Natur, sportlicher Betätigung, netten Menschen und dem Kennenlernen einer landwirtschaftlichen Arbeitsweise, wie sie viel zukunftsfähiger nicht sein kann.

Nasses Radeln nach Freising

Gut zwei Wochen vor dem Ausflug schrieb uns Uli aus Freising an, um einerseits bei uns aktiv zu werden und uns andererseits einen Radlausflug zum Biohof einer Freundin vorzuschlagen. Nachdem wir uns seit längerer Zeit einen Ausflug vorgenommen hatten, sagten wir gleich zu und dachten dabei eher an kurze Hosen, einen Sprung in die Isar, ein kühles Blondes als Begrüßungsgetränk und nicht an Regenhose, Glühwein und nasse Unterwäsche.

Leider war dann letzteres näher an der Wirklichkeit. und so machten wir uns – durch Wetter und das Fußballspiel am Vorabend etwas dezimiert – zu fünft auf den Weg in Richtung Freising. Keine Frage, es war nass. Aber der Englische Garten und die Isar mit ihrem Uferradweg haben auch bei dem ‚greisligsten‘ Wetter ihren Charme. So trafen wir uns dann nach gut eineinhalb Stunden Fahrt durchnässt, aber glücklich, mit Uli, Franziska und ihrem Sohn Valentin an der Isar. „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ dachten sie sich und waren uns deshalb ein Stückchen entgegen geradeltHP-2. Gemeinsam hatten wir dann nur noch wenige Minuten zum Biolandhof Braun, wo uns Johanna, die Tochter der Hofbetreiber, schon mit einer unglaublich leckeren Brotzeit erwartete. Bei selbstgemachtem Brot, Käse und Kuchen mit Zutaten aus dem eigenen Betrieb und waaarmem Tee erfuhren wir einiges über die Arbeit auf dem Biohof und konnten von unserer Arbeit bei rehab republic berichten.

Bei gutem Käse über Kühe reden

Auch wenn man in wenigen Stunden natürlich nur einen Bruchteil der Arbeit und Philosophie eines Bauernhofes kennenlernen kann, waren wir begeistert von dem, was uns zur Produktion von tierischen und pflanzlichen Produkten auf dem Hof  geschildert wurde.  Auf ihren Äckern bauen die Brauns Getreide, Wiesenblumen und Kräuter zur Saatgutvermehrung an. Für die Milchkühe gibt es Kleegras und feinstes Gras auf dem Feld.

Nicht zuletzt weil ein Teil von uns schon im Januar eine Milchviehlandwirtschaft besucht hatte, hat sich auch dieses Mal die Milchproduktion als großer Interessenspunkt herauskristallisiert. Dies lag außerdem auch an den verschiedenen Weich- und Hartkäsesorten aus der hauseigenen Käserei auf der Brotzeitplatte, die unseren Radlhunger stillten und zugleich unsere Gaumen begeisterten. Die 22 Milchkühe der Brauns werden ausschließlich mit frischem Gras und Heu gefüttert. Die hauseigene Heutrocknungsanlage sollten wir später auch noch zu Gesicht bekommen. Ebenso wie den Kuhstall, der direkt mit der Weide verbunden ist, sodass die Kühe nach Lust und Laune sich drinnen oder draußen aufhalten können. Zwischendurch gehen sie dann noch in die Melkstraße, um ihre Milch loszuwerden. Hier läuft es ähnlich ab wie in einer Auto-Waschstraße: Die Kuh geht hinten in die Straße rein, wird mit Hilfe der Bäuerin oder des Bauers von den Melkmaschinen eine Weile gemolken und kommt vorne frisch gemolken wieder raus. In der Zwischenzeit hat sich bestimmt schon eine weitere Kuh hinten angestellt und wartet sehnsüchtig darauf, die Milch loszuwerden. Für die Statistikfreunde unter euch: Die Kühe auf dem Biolandhof Braun produzieren bis zu 6000 Liter Milch pro Jahr und Kuh. In der konventionellen Landwirtschaft bringen es Hochleistungskühe auf über 12.000 Liter Milch. Das geht allerdings, wie man sich vorstellen kann, nicht nur zu Lasten der Lebensdauer und Lebensqualität der Kühe sondern ist auch nur mit Einsatz von (meist importiertem) Kraftfutter möglich. HP-3Hier im Stall des Biolandhofs Braun jedoch dominiert die (fast trügerische) Idylle mit Kühen und Schweinen im gemischten Stall. Davor liegt ein Haufen Heu, auf dem es sich eine Katze mit ihren Jungen gemütlich macht. Und während die Bäuerin den auch am Sonntag zu erledigenden Arbeiten nachging, rannte der übereifrige Hofhund auf und ab und hoffte auf Spielgefährten.

Zurück zur ökologischen Landwirtschaft: Dafür dass eine artgerechtere Tierhaltung in allen Produkten mit dem Biosiegel – vor allem aber bei denen mit einem Bioland-, Naturland- oder Demeter-Siegel – garantiert werden kann, sorgen regelmäßige Kontrollen, die die Betriebe detailliert auf Herz und Niere überprüfen.

Engagierter Biobauer aus Überzeugung

Bei der Familie Braun merkt man aber, dass sie ihren Hof in den achtziger Jahren nicht wegen Kriterien eines Siegels, sondern aus reiner Überzeugung umgestellt haben. Hier wird immer noch weiter gedacht, getüftelt, ausprobiert, um einen Kreislauf zu schaffen, bei dem möglichst gute Produkte bei möglichst geringen Umweltauswirkungen hergestellt werden können.

Auf dem Biolandhof Braun ergibt irgendwie alles einen Sinn: Um die Weiden und Felder herum sind Sträucher und Bäume gepflanzt. Die Sträucher und auch Kräuter entlang der Weiden dienen als zusätzliches Futtermittel für die Kühe, quasi als deren selbstständig genutzte Hausapotheke. Die Bäume an den Feldern bieten außerdem einen guten Windschutz für diverse Pflanzen und einen Lebensraum für Tiere und steigern dadurch die Biodiversität. Sowohl die Bäume als auch die Sträucher werden nach ein paar Jahren zu kleinen Hackschnitzeln verarbeitet. Diese wiederum werden in der hauseigenen Holz-Kraft-Anlage per Holzvergasung zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Die Hackschnitzel sorgen dadurch nicht nur für eine warme Dusche im Wohnhaus, sie versorgen auch Stall und Käserei mit Wärme und trocknen das He, damit dieses lange gelagert werden kann und auch in den Wintermonaten zur Verfügung steht. Die Asche, die bei der Hackschnitzelverbrennung entsteht, wird wiederum als Dünger verwendet werden und landet so im Kreislauf des Hofbetriebs.

Nachdem wir die Brotzeitplatte fast leer geputzt, Johanna mit Fragen zu Ende gelöchert und uns den Hof angeschaut hatten, deckten wir uns noch im Hofladen mit feinstem Freisinger Bio-Käse des Hauses ein. Wenn einer/m MünchnerIn hier das Wasser im Munde zusammen läuft, aber wegen einem Stück Käse nicht nach Freising fahren mag, der/m sei gesagt, dass die Brauns auch einen kleinen Bio-Hofladen in Gern betreiben. Hier kann man freitags und samstags aus den hofeigenen Leckereien wählen.

Unsere Überzeugung, dass es sich lohnt für regional und ökologisch erzeugte Produkte ein bisschen mehr Geld auszugeben, hat sich mit diesem Ausflug wieder einmal gefestigt. Vor allem, falls man sich für den Konsum von tierischen Produkten entscheidet, macht das für Umwelt, Tier und Mensch mehr als Sinn. Und wenn das Essen dann noch so gut zubereitet und in netter Gesellschaft verspeist wird, geht´s einem einfach gut – egal, wie viel Nass von oben kommt.