Mehrweg vs. Einweg

Trotz „Dosenpfand“: Der Anteil an Mehrwegflaschen in Deutschland sank zwischen 2004 und 2010 von 71,1 auf 50,1 Prozent. Was ist der effektivste Weg zu mehr Mehrweg?

Quellen: 2004-2009: Umweltbundesamt und 2010: EUWID

 

Vorsicht Verbraucher: Pfand ist nicht gleich Pfand!

Bis 2003 konnte man noch davon ausgehen, dass Pfandflaschen nach der Abgabe gereinigt und wiederbefüllt werden. Heute hingegen werden viele Pfandflaschen aus Plastik zerkleinert, oft nach China exportiert und dort zu unterschiedlichsten Produkten weiterverarbeitet.

Einwegflaschen ersetzen immer häufiger Mehrwegflaschen

In Deutschland wird seit dem Jahr 2003 Pfand auf Getränke in Einwegflaschen und Dosen erhoben. Dadurch landet deutlich weniger Plastik in der Umwelt – eine positive Folge des Gesetzes (rehab impuls zu Plastik im Meer)! Das eigentliche Ziel jedoch,  der Rückgang der Einwegflaschen, konnte nicht erreicht werden. Im Gegenteil – es wurden deutlich mehr: Der Anteil an Mehrwegflaschen ging in den letzten Jahren stetig zurück: von 71,1% im Jahr 2004 bis auf 50,1% im Jahr 2010. Während beispielsweise bei Bier die Mehrwegquoten im Jahr 2009 noch bei 88,5% lagen, waren es bei Mineralwässern nur 43,8%. Statt Mehrweg- kaufen wir immer mehr Einwegflaschen. Insbesondere die bei Discountern vertriebenen 1,5l-Einwegflaschen, die extra für den einmaligen Transport von 1,5l Wasser produziert werden, haben Hochkonjunktur.

Mehr Mehrweg! Aber wie?

Laut deutscher Verpackungsverordnung sollen mindestens 80 Prozent aller Getränke in ökologisch vorteilhaften Verpackungen (Mehrweg und Getränkekartons) abgefüllt werden. Dieses Ziel wird seit Jahren deutlich verfehlt. Bundesumweltminister Peter Altmaier möchte nun dem Verbraucher durch eine bessere Beschilderung in Supermärkten klar machen, wann es sich um Einweg- und wann um Mehrwegflaschen handelt. Eine sicherlich sinnvolle Idee. Aber ob das schon die Lösung ist?
Bessere Beschilderung hin oder her – letztendlich haben wir Verbraucher in der Hand, welche Flaschen wir kaufen und dementsprechend, welche Flaschen produziert werden.
Neben Getränkedosen, die in der Ökobilanz immer am schlechtesten abschneiden, sind im Handel in erster Linie Flaschen aus Glas oder dem Kunststoff Polyethylenterephthalat (kurz PET) erhältlich. Beide Materialien werden in Deutschland sowohl zu Einweg-, als auch zu Mehrwegflaschen verarbeitet.
Um einen Überblick zu schaffen, haben wir hier zusammengefasst, welche Flaschen im Handel erhältlich und welche empfehlenswert sind:

Einweg-Glasflaschen

Einweg-Glasflaschen werden vor allem für höherwertige Produkte, wie Spirituosen, Wein und Olivenöl genutzt, die zu schade sind, um sie in Plastikflaschen zu füllen. Das Plastik könnte den Geschmack auf Dauer verändern. In diesen Produktklassen gibt es momentan leider keine richtige Alternative zu den Einweg-Glasflaschen. Wir können also mehr oder minder guten GEwissens zugreifen – unter der Bedingung, dass sie nach dem Genuss zum Glascontainer gebracht werden!

Glas-Mehrwegflaschen

Glas-Mehrwegflaschen sind die Mütter aller Pfandflaschen. Ob als Wasser, Saft oder Bier – jeder von uns hat sie schon hundertfach im Träger oder einzeln im Getränkemarkt zurückgegeben und je nach Flasche 8 bzw. 15 Cent Pfand erhalten. Die Flaschen werden gereinigt und bis zu 50-mal wiederbefüllt. Somit werden gegenüber Einwegflaschen Rohstoffe und Energie gespart. Die Glasflasche kann im Vergleich zu Flaschen aus PET den Inhalt über längere Zeit ohne jegliche Qualitätsverluste lagern.

PET-Mehrwegflaschen

Ursprünglich nur von Limonadenproduzenten benutzt, werden diese stabilen Kunststoffflaschen immer häufiger auch von Mineralwasserherstellern verwendet.  Das Wichtigste vorweg: Mehrwegflaschen aus PET schneiden bei Tests zur Ökobilanz von Getränkeflaschen meist am besten ab. Sie werden im Vergleich zu Mehrweg-Glasflaschen zwar weniger häufig wiederbefüllt, nämlich nur bis zu 25-mal, verschlingen aber auf Grund ihres geringeren Gewichts nicht nur weniger Muskelkraft beim Schleppen sondern auch weniger Energie bei Transport und Produktion. Es gibt aber auch Nachteile gegenüber Glasflaschen: Auch wenn nach heutigem Kenntnisstand keine Gesundheitsbeeinträchtigung zu vermuten ist, können einige Bestandteile des Kunststoffs den Geschmack und die Qualität des Flascheninhalts beeinflussen. Desweiteren wird für die Herstellung Rohöl benötigt, welches bekannterweise nicht ewig zur Verfügung steht und unter oft sehr schädlichen Bedingungen gefördert wird.

 

PET – Einwegflaschen

Im Vergleich zu PET-Mehrwegflaschen sind die Einwegflaschen daran erkennbar, dass sie deutlich leichter und dementsprechend einfacher verformbar sind. In Deutschland müssen sie mit dem Logo der DPG (Deutsche Pfandsystem GmbH) versehen sein. Die meist 0,5 oder 1,5l großen Flaschen werden insbesondere von Discountern angeboten. Ihr Pfandwert beträgt 25 Cent. Nach der Rückgabe werden sie zerkleinert und zu Plastikgranulat verarbeitet. Ein kleiner Teil des Granulats wird der Produktion neuer PET-Flaschen beigemischt, der Großteil jedoch dient als Rohstoff für neue Kunststoffprodukte, und wird etwa zur Textil-Produktion nach China exportiert. Trotz des Plasikrecyclings: Da jede Flasche nur einmal benutzt wird, werden deutlich mehr Rohstoffe als bei Mehrwegflaschen benötigt – aus ökologischer Sicht ist daher von der PET-Einwegflasche absolut abzuraten!

PETCYCLE – Flaschen

Hier handelt es sich um Einwegflaschen in Mehrwegkästen. Da die Flaschen des Petcycle-Systems in Mehrwegkästen vertrieben werden, glauben viele Verbraucher, es handle sich dabei auch um Mehrwegflaschen. Dabei sind die Petcycle-Flaschen eine Version der PET-Einwegflaschen. Sie können etwas reiner recycelt werden als die normalen PET-Einwegflaschen, ihre Ökobilanz ist daher etwas besser. Allerdings sind sie laut der Deutschen Umwelthilfe trotzdem ökologisch nachteiliger als Mehrweg-Flaschen.

Fazit

Mehrwegflaschen sind Einwegflaschen eindeutig vorzuziehen. Außerdem sollte darauf geachtet werden, regionale Produkte zu kaufen. Denn eine regional produzierte PET-Einwegflasche ist sicherlich mit einer besseren Ökobilanz ausgestattet als eine Glasflasche, die tausende Kilometer transportiert wurde. Unter den Mehrwegflaschen haben die PET-Flaschen durch ihr geringeres Gewicht und die Bruchfestigkeit einen Vorteil, während Glasflaschen den Inhalt oft in besserer Qualität zum Kunden bringen.

 

 

 

  • Das einfachste: Muss es beim Wasser überhaupt eine Flasche sein? Leitungswasser ist viel günstiger und oft von höherer Qualität als das Wasser aus Flaschen. Siehe rehab impuls vom 29.09.2012
  • Beim Kauf von Flaschen sollte wann immer möglich auf Mehrwegflaschen zurückgegriffen werden. Die Einwegflaschen kann man getrost im Regal stehen lassen.
  • Regionales Bier ist nicht nur aus ökologischer Sicht wärmstens zu empfehlen. Meist schmeckt es auch noch am Besten. Auch bei allen anderen Getränken sind regionale Produkte vorzuziehen.

 

Weiterführende Informationen

 

Wer das Thema mit bewegten Bildern veranschaulicht haben möchte und wissen will, ob denn überhaupt Politiker die Pfandregeln durchschauen,  dem sei dieses Video ans Herz gelegt:

 

 

 

Schlagwörter: ,