Nachhaltige Mode

Wasser sparen ohne zugedrehten Hahn? Für die Herstellung eines normalen Baumwoll-T-Shirts braucht man 2700 Liter Wasser. Alternativen sind im Kommen.

Quelle: Planet Wissen

Wasser ist kostbar. Das mag aus unserer Perspektive manchmal untergehen: Jederzeit bekommen wir unbegrenzt sauberes Trinkwasser aus dem Hahn, was uns glauben macht, dass es unerschöpflich ist. Doch anders als in den meisten Gegenden Deutschlands, ist Wasser in weiten Teilen der Erde eine Mangelware – und wir verschärfen diesen Notstand durch unseren Konsum.

„Virtuelles Wasser“

Wasser wird auch dort verbraucht, wo es uns weniger bewusst ist. Die Produktion fast aller unserer Konsumgüter kostet Wasser. So werden beispielsweise für ein Kilogramm Rindfleisch 15.000 Liter Wasser benötigt, was natürlich nicht bedeutet, dass sich dieses Wasser aus dem Kilo-Steak auswringen lässt. Man spricht daher von virtuellem Wasser, und meint damit die Summe, die es insgesamt braucht, um ein Produkt herzustellen.

Das 2700-Liter-Shirt

Ein einfaches T-Shirt aus Baumwolle steht mit einem Wasserverbrauch von mindestens 2700 Litern schlecht da. Diese Zahl bestätigt, verbunden mit unserem Wissen über die Produktionsbedingungen, dass die Kosten für ein T-Shirt weit höher wären, müsste man die entstehenden Umweltschäden und sozialen Probleme mittragen. Einige Händler bräuchten schnell eine andere Marketingstrategie als das 4,95-Euro-Shirt.
Was macht den Wasserverbrauch so problematisch? Wasser gibt es weltweit eigentlich genug. Nachdem 97 Prozent salzig und rund zwei Prozent des Wassers gefroren sind, bleiben weniger als ein Prozent für den menschlichen Gebrauch. 70 Prozent davon nutzen wir für die Landwirtschaft, also für den Anbau von Nahrungsmitteln aber auch für Nutzpflanzen wie Baumwolle. Dieser Rohstoff unserer Textilien ist überaus durstig, wird aber größtenteils in wasserarmen Regionen angebaut.
Weil die Felder bewässert werden, sinkt der Grundwasserspiegel. Desertifikation, sprich Wüstenbildung, kann die Folge sein. So wachsen weniger Pflanzen auf natürliche Weise und den Menschen fehlt zunehmend das Trinkwasser.

Die Alternativen

Die Antwort muss kein radikaler Konsumverzicht sein. Ausschließliches Second-Hand-Shopping oder Öko-Schlabber-Look werden sich, popkulturell betrachtet, nicht als Massenphänomen durchsetzen.
Auf Seiten der Industrie ist das Thema nachhaltige Mode längst angekommen. Durch das gestiegene Umweltbewusstsein in der Bevölkerung werden nämlich neue Märkte geschaffen. Auf Veranstaltungen wie der Berlin Fashion Week gewinnt “nachhaltige Mode” an Bedeutung, was Ausdruck dieser Entwicklung ist.
Der nachhaltigen Mode muss nicht zwangsläufig ein Öko-Hippie-Image anhaften. Sie kann durchaus modern sein. Einige Modemacher haben das mittlerweile erkannt – und verdienen damit teilweise gutes Geld: Der Erfolg der Taschen aus LKW-Planen ist hierfür ein Beispiel.
Sicherlich gibt es so was nicht zum liebgewonnenen 4,95-Euro-Tarif. Nachhaltige Mode ist zumindest momentan nicht für alle Bevölkerungsschichten gleichermaßen erschwinglich. Aber sie ist im Kommen, auch wenn ökologisch verträgliche Alternativen aus Hanf, Bambus oder Soja momentan noch nicht überall im Laden stehen. Einzig Biobaumwolle ist bereits häufiger im Sortiment der Händler zu finden, wenn auch längst noch nicht flächendeckend. Das wird sich ändern, wenn immer mehr Konsumenten danach verlangen. Rein technologisch betrachtet ist nachhaltige Mode jedenfalls machbar.
Zuletzt können wir auch unseren Beitrag leisten, indem wir uns stets fragen: Brauche ich das neue T-Shirt gerade wirklich? Es macht einen Unterschied, ob ich ein T-Shirt drei Monate oder drei Jahre trage. Genauso, ob ich meine Klamotten täglich in die Waschmaschine stecke oder nicht. Entscheidungen machen einen Unterschied, wie das folgende Video zeigt:

 

 

 

  • Weniger ist mehr! Wir konsumieren bewusster und überlegen uns vor dem Kauf, ob wir das Kleidungsstück tatsächlich benötigen. Somit gehen wir gezielter einkaufen und sparen Wasser und dabei auch noch Geld.
  • Einige Händler bieten Biobaumwolle bereits in ihrem Sortiment an. Daher ist Biobaumwolle momentan noch die beste Alternative zum herkömmlichen Baumwolle-Kleidungsstück. Aber auch Hanf, Bambus und Soja können früher oder später eine echte wassersparende Möglichkeit beim Kleidungskauf darstellen.
  • In Second-Hand-Geschäften oder auf Flohmärkte haben wir ebenso die Gelegenheit wasser- und geldsparend Kleidung zu kaufen
  • Nicht zuletzt tragen wir unsere Kleidungsstücke so lange sie in Schuss sind und richten sie nicht unmittelbar am aktuellen Trend aus.

 

Weiterführende Informationen

  • WELTbewusst bietet weitere Informationen zur Produktion von Kleidungsstücken und stellt Möglichkeiten dar, selbst aktiv zu werden.
  • Zahlen zum virtuellen Wasserverbrauch anderer Produkte und Nahrunsgmittel haben RESET zusammen gestellt.