oBike oder oDaten?

 

Die gelben oBikes sorgen für ganz schön viel Wirbel. Oft liegen sie im Gebüsch, der Sattel ist verdreht oder das ganze Fahrrad steht Kopf. Mittlerweile sieht man sie aber sogar manchmal in Bewegung. Sind sie nun gut oder schlecht? Wir versuchen mal zusammenzufassen:

oBikes sind super, weil:

  • Leihsysteme an sich Ressourcen schonen. Gemeinschaftliches Nutzen statt Besitzen hat Zukunft!
  • sie die emissionsfreie, bezahlbare Mobilität für München unterstützen. Carsharing, Bikesharing und Rollersharing sind neben einem ausgebautem ÖPNV wichtige Bestandteile der Münchner Verkehrswende!
  • sie keine gesundheitsschädlichen Gase oder Partikel ausstoßen.
  • sie auch außerhalb des Mittleren Rings in ausreichender Zahl bereit stehen.
  • … 7.000 rumstehende Fahrräder weniger hässlich sind und weniger Platz in Anspruch nehmen als 700.000 Autos. Nur die Autos stehen halt schon bisschen länger da rum und haben schon vor ein paar Jahrzehnten extra Parkplätze bekommen.

oBikes sind doof und können sich eine andere Stadt suchen, weil:

  • wir regionale Wirtschaftskreisläufe begrüßen. Warum brauchen wir ein Radlverleihsystem aus Singapur, wenn es schon funktionierende regionale Anbieter gibt?
  • die Fahrräder nicht so ausschauen, als würden sie lange überleben. Und wer ohne Gangschaltung mal versucht, den Giesinger Berg hochzufahren, wird sich auch freuen.
  • oBike keine zusätzlichen Fahrradständer aufstellt und daher die Fahrräder viele bestehende Fahrradständer vollstellen.
  • einfach mal 7.000 Fahrräder ohne ein richtiges Konzept auf Münchens Straßen zu bringen (doppelt so viel wie MVG und call-a-bike zusammen), ziemlich – sagen wir mal vorsichtig – unklug ist. Da sind Probleme mit herumliegenden Rädern vorprogrammiert.
  • 29 € als Kaution eine Hürde sind – und bei dem Geschäftsmodell würden wir nicht unsere Hand ins Feuer legen, dass dieses Unternehmen immer zahlungsfähig bleibt.
  • der Datenschutz bei oBike und ähnlichen Anbietern äußerst bedenklich ist. Es ist anzunehmen, dass die Daten – auch persönliche – ein nicht kleiner Teil des Geschäftsmodells sind. Oder warum sonst werden die Daten für Marketingzwecke genutzt oder warum werden GPS-Daten auch dann übertragen, wenn die App nicht benutzt wird?
    Ist das teuflisch? Nein, facebook, google und Konsorten sind nicht besser – aber wenn es eine Wahl gibt, sollte man zu Konkurrenten mit besserem Datenschutz greifen. Macht euch selber ein Bild – hier geht’s zum„Datenschutzversprechen“ von oBike: https://h5.o.bike/mobile/de-de/setting/privacyPolicy.html

Das Fazit:

Fahrrad-Leihsysteme sind toll. Noch toller sind sie, wenn sie hochwertige Fahrräder anbieten, die möglichst regional produziert wurden und bei denen nur die Pedale und nicht der Datenschutz mit Füßen getreten wird. Und optimal ist es, wenn die Anbieter gemeinsam mit der Stadtverwaltung für mehr Fahrradabstellplätze sorgen. Wenn die gelben Räder im Gebüsch diese Entwicklung beschleunigen, dann bleiben sie uns in ein paar Jahren rückblickend vielleicht doch noch positiv in Erinnerung.

Aber hey, macht euch selbst ein Bild von den unterschiedlichen Verleih-Systemen:

In jedem Fall: viel Spaß beim Radeln!

… oder soll’s doch ein E-Roller sein? Dann schaut rein bei emmy oder scoo.me (E-Motorisierung im Ausbau).

 

Ein Kommentar von Markus Mitterer

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