Digitales Zeitalter?

Ein durchschnittlicher Deutscher verbrauchte im Jahr 2011 circa 243kg Papier. Das ist 7-mal mehr als noch 1950.

Quelle: Verband deutscher Papierfabriken

Hefte, Druckerpapier, Kaffeefilter, Toilettenpapier, Windeln, Taschentücher, Verpackungsmaterialien… Papierprodukte sind aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Papier wird aus Holz hergestellt, einem nachwachsenden Rohstoff. Aber gibt es überhaupt genügend Bäume, um auf Dauer für jeden Menschen so viel Papier herzustellen?

Holz – ein nicht immer nachhaltiger Rohstoff

Für die Papierherstellung braucht man Zellstoff. Zellstoff wird aus Holz gewonnen und deshalb werden jedes Jahr riesige Waldflächen gerodet. Zum Teil geschieht dies auf nachhaltige Weise – es werden also nur so viele Bäume gefällt, wie auch nachwachsen können. Das ist jedoch leider nicht immer der Fall. Um den ausgeprägten „Holzhunger“ der Zellstoff- und Papierindustrie zu stillen, werden oftmals riesige, unberührte Wälder in eintönige Zellstoffplantagen verwandelt, oder es werden bewaldete Gebiete vollständig abgeholzt ohne neue Bäume zu pflanzen. Letzteres ist vor allem in den Tropen viel zu oft der Fall.
Die Abholzung der Wälder ist aus mehreren Gründen katastrophal. Zum einen beherbergen Wälder, insbesondere in den Tropen, den größten Artenreichtum an Land und zum anderen bietet das Ökosystem Wald unbezahlbare Dienste für die Menschheit: Er dient als Wasserspeicher, reinigt die Luft, bindet CO2 und produziert Sauerstoff; außerdem stellt er Nahrung zur Verfügung und dient dem Menschen als Erholungsraum.
Keine Frage, Papier wird aus einem nachwachsenden Rohstoff hergestellt und ist damit oft Materialien aus fossilen Rohstoffen, wie etwa Plastik, vorzuziehen. Ebenso wenig können wir komplett auf den Gebrauch von Papier verzichten. Es muss allerdings sichergestellt werden, dass nur so viel verbraucht wird wie nachwachsen kann, und zwar ohne funktionierende Ökosysteme (z.B. Tropenwälder) durch artenarme Plantagen zu ersetzen.
 

Deutschland in der Spitzengruppe!

Deutschland liegt beim Gesamtpapierverbrauch im internationalen Vergleich auf Platz vier hinter den USA, China und Japan. Durchschnittlich verbraucht jeder Deutsche ca. 243kg Papier. Das ist sieben Mal mehr als noch 1950. Ein Großteil hiervon wird für die Herstellung von Verpackungsmaterialien benötigt. Daneben stellen grafische Papiere (u.a. Zeitungen, Magazine, Hefte, Kopierpapier) und insbesondere auch Hygienepapiere (Toilettenpapier, Taschentücher, Papierhandtücher) einen großen Anteil an unserem Papierverbrauch. Ein Leben ohne diese Artikel ist für uns kaum vorstellbar. Deshalb wird zur Herstellung dieser Produkte täglich ein ca. 800g schweres Holzstück benötigt – für jeden der 82 Millionen Deutschen. Das ergibt für ganz Deutschland einen Holzverbrauch von ca. 45 Tonnen pro Minute. Da wir nicht ausreichend Zellstoff im eigenen Land nachhaltig produzieren können, importieren wir über 80% des Rohstoffes für unser Frischfaserpapier und sind damit nach den USA zweitgrößter Zellstoffimporteur. Der meiste Zellstoff kommt dabei aus Skandinavien und Kanada, aber auch aus Tropenländern wie Indonesien und Brasilien. Besonders in den Tropenländern werden natürliche Wälder für die Zellstoffproduktion abgeholzt. Zurück bleiben Brachland oder eintönige Plantagen. Die Regenwälder landen dann beispielsweise als Bücher oder Toilettenpapier in den Regalen deutscher Einkaufsmärkte.

Die Lösung – Reduce, Reuse, Recycle

In den nächsten Jahren werden auch die Entwicklungsländer immer mehr Papier verbrauchen.
Es können jedoch unmöglich alle sieben Milliarden Menschen ebenso viel Zellstoff verbrauchen wie wir Deutschen das derzeit tun. Deshalb müssen auch wir mit weniger Papier auskommen, damit der weltweite Pro-Kopf-Verbrauch in Zukunft deutlich unter dem jetzigen deutschen liegt.

Wie schaffen wir das?

Zum einen muss der Anteil an Recyclingpapier weiter erhöht werden. Wir müssen zu einer Kreislaufwirtschaft kommen, in der Abfälle effektiver recycelt bzw. wiederverwendet werden. In der Papierindustrie wird das im Gegensatz zu anderen Industriezweigen schon recht gut umgesetzt, allerdings sind die Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft. Außerdem ist Papier nur etwa sieben Mal recyclebar. Deshalb kann die einzige wirkliche Lösung nur eine Verringerung des Pro-Kopf-Verbrauchs sein. Das kann jeder ganz simpel durch das Befolgen der „3 R“ bewerkstelligen: Reduce, Reuse, Recycle – Verbrauch reduzieren, Produkte wiederverwenden oder wenn das nicht möglich ist: recyceln!
Recyclingpapier hat sich in den letzten Jahren qualitativ sehr verbessert und Bedenken wie „das Recyclingpapier schadet dem Drucker“ oder „Recyclingtoilettenpapier kratzt“ gehören längst der Vergangenheit an. Wir sollten deshalb beim Kauf von Schulheften, Druckerpapier, Taschentüchern, Toilettenpapier und anderen Waren aus Papier darauf achten, ein Produkt aus Recyclingpapier zu erwerben. Siegel wie “Der Blaue Engel“ garantieren uns, dass das Produkt ausschließlich aus Altpapier hergestellt wurde und somit nicht nur Bäume „gerettet“, sondern auch mindestens 80% weniger Wasser verbraucht und verschmutzt wurde. Außerdem wird bei der Papierproduktion aus Altpapier weniger Energie benötigt, wodurch 20% weniger CO2 ausgestoßen wird.

rehab-Taten – was jeder tun kann

Unseren Papierverbrauch können wir auf unterschiedliche Art und Weise senken:

  • sparsame Nutzung aller Papierprodukte
  • doppelseitiges Bedrucken und Mehrseitendruck
  • Vermeidung von nicht unbedingt benötigten Ausdrucken
  • Kauf von Produkten mit möglichst wenig Verpackung
  • vermehrtes Nutzen von Recyclingpapier (Blauer Engel!)
  • gezielt nach Recyclingpapier fragen, falls in einem Geschäft keines verfügbar ist
  • mehrfache Benutzung von Papier, z.B. als Einkaufszettel
  • Aufkleber „Keine Werbung“ am Briefkasten platzieren, um ungewollte Werbung zu vermeiden
  • Rechnungen online zuschicken lassen
  • Entsorgung des benutzen Papiers über die Papiertonne, um es im Rohstoffkreislauf zu belassen

Es gibt also viele gute Gründe und noch mehr Möglichkeiten unseren Papierverbrauch zu reduzieren. Nobody is perfect, aber jeder von uns kann an der einen oder anderen Stelle sicher noch etwas mehr Papier einsparen.

 

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