Plastik im Ozean

In weiten Teilen der Meere gibt es 6-mal mehr Plastik als Plankton.

Quelle: Algalita Marine Research Foundation

Dass wir viel Plastik benutzen ist uns wohl allen klar. Ohne Kunststoffe könnten wir weder diese Zeilen lesen, noch unsere Zähne putzen oder verpackte Lebensmittel kaufen. Aber wer hätte gedacht, dass in riesigen Gebieten unserer Ozeane auf ein Kilo Plankton schon über sechs Kilo Plastik kommen? Fast 98 Prozent der Biomasse in unseren Weltmeeren bestehen aus Plankton, also aus winzig kleinen im Wasser dahintreibenden Pflanzen und Tieren. Trotzdem ist Plastik in der Überzahl. Nach neuen Veröffentlichungen ist in einigen Gebieten sogar bis zu 46-mal mehr Plastik als Plankton vorhanden. Was hat das für Auswirkungen auf die Tierwelt und warum landen dadurch Gifte bei uns auf den Tellern?

Plastik überall

Ohne Kunststoffe wären wir ganz schön aufgeschmissen: Ein Leben ohne Handys, PCs, Plastikflaschen, Polyester-Kleidung, Autos, Zahnbürsten, Getränkekisten, EC-Karten und vieler anderer Plastikprodukte ist nach den Entwicklungen im letzten Jahrhundert unvorstellbar geworden.
Als Plastik oder Kunststoffe werden aus Polymeren bestehende Festkörper bezeichnet, die synthetisch oder halbsynthetisch hergestellt wurden. Ausgangsmaterial für die meisten gängigen Kunststoffe ist Erdöl. Kunststoffe haben die unterschiedlichsten Eigenschaften und sind deshalb so vielseitig einsetzbar. In der Regel sind sie an sich gesundheitlich unbedenklich. Allerdings werden den Kunststoffen oft Substanzen wie Weichmacher oder Bisphenol A zugefügt, die, so sind sich immer mehr Wissenschaftler einig, langfristig im Tierreich sowie bei uns Menschen das Erbgut verändern oder Krebserkrankungen begünstigen können.
Kunststoffe sind außerdem sehr langlebig. Wären zu Lebzeiten von Martin Luther oder Shakespeare im 16.Jahrhundert Kunststoffe ins Meer gelangt, würden manche jetzt noch dort treiben, da sie ohne Probleme mehrere Jahrzehnte überdauern – viele sogar bis zu 450 Jahre. Die Plastikproduktion explodierte aber erst in den letzten 50 Jahren. Während 1949 noch 1 Million Tonnen hergestellt wurden, waren es 2010 bereits 265 Millionen Tonnen Kunststoffe. Tendenz weiter steigend.
Über sechs Millionen Tonnen Müll – das meiste Plastik – landet laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) jedes Jahr im Meer. Auf Lastwagen verladen wäre es eine Kolonne mit über 4.000km Länge1 – beispielsweise die Distanz von Madrid nach Moskau.
Aber wie kommt das Plastik in die Ozeane? Wir werfen unsere Abfälle doch nicht ins Meer – oder doch?

Wie der Plastikmüll in die Ozeane kommt

Hierzulande kommt der meiste Müll von der Fischerei und der kommerziellen Schifffahrt. Kaputte Fischernetze und oft auch der Müll von Container- oder Passagierschiffen werden sorglos über Bord geworfen. Auch der Unrat, der an den Stränden zurückgelassen wird und dann ins Meer gespült wird, trägt zur Vergrößerung der Plastikkonzentration im Meer bei.
Dadurch, dass wir in Deutschland den meisten Müll sammeln und teilweise auch recyceln kommt recht wenig Müll über die Flüsse in die Meere. Nur Überschwemmungen und starke Winde tragen einiges an Unrat in die See.
In anderen Ländern ist das dramatisch anders. Oft existiert keine Infrastruktur zum Recyceln oder gar zum Müllsammeln und so landet in vielen Ländern der größte Teil der Abfälle über die Flüsse in den Ozeanen. Der Müll, den wir an den Stränden sehen, ist dort nur der Gipfel des Eisberges.

Die Verteilung von Plastik in den Meeren

In den Meeren treiben nun mittlerweile auf jedem Quadratkilometer der Wasseroberfläche bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlicher Größe (UNEP). Der Großteil des Mülls bleibt unserem Auge allerdings verborgen, da 70% auf den Meeresboden absinken.
Es schwimmt zwar überall in den Ozeanen Plastik, in manchen Regionen konzentriert sich das Plastik aber ganz besonders. So zum Beispiel im Meereswirbel im Nordost-Pazifik zwischen Nordamerika und Asien, wo Wissenschaftler um Charles Moore mehrfach Messungen vornahmen und schon 1999 zu einem gemessenen Plastik-Plankton-Verhältnis von 6:1 kamen. Heutzutage ist das Verhältnis dort wohl schon bei 8:1. Flächendeckende, regelmäßige Untersuchungen sind aber leider Mangelware. Unter anderem weil die im Meer vorkommende Plankton-Population je nach Tageszeit schwankt, ist Moore`s Studie in Kritik geraten. Unbestritten bleiben jedoch die Anreicherung von Plastikpartikeln im Ozean sowie die damit einhergehenden schwerwiegenden Folgen für Umwelt und Menschheit. Es mangelt aber an weiteren verlässlichen Studien, so dass über die exakte Entwicklung des Plastikmülls nur gemutmaßt werden kann –
ein Experiment mit ungewissem Ausgang.
Auch Nord- und Ostsee vor unserer Haustüre sind nicht vom Plastikmüll verschont. Im letzten Jahrzehnt fanden sich hier pro hundert Meter Küstenabschnitt 712 Müllteile. Wie der Grafik zu entnehmen ist, waren auch hiervon über 75% aus Plastik oder Styropor.

Tödliche Folgen für die Tierwelt

Dieser Plastikmüll verursacht erhebliche Schäden in der Tierwelt. Seevögel nehmen zum Beispiel stetig Plastik bei der Nahrungssuche auf. Durch das ständige Sättigungsgefühl verhungern viele von ihnen mit vo
llen Mägen oder sind auf Grund geringerer Fitness leichtes Opfer von Krankheiten. Bei Eissturmvögeln in der Nordsee beispielsweise wurde zwischen 2002 und 2006 bei 95 Prozent aller untersuchten Tiere Plastik im Magen-Darmtrakt gefunden. Im Durchschnitt 31 Teile pro Tier.

Wale, Delfine und Seehunde verfangen sich in alten Fischernetzen oder anderem treibenden Kunststoffabfall, ertrinken oder erleiden schwere Verletzungen bei Befreiungsversuchen. Meeresschildkröten verwechseln im Wasser treibende Plastiktüten mit Quallen, die ihnen als Nahrung dienen, verschlucken diese und sterben qualvoll.

 

Gift landet auf unserem Teller

Auch gefährliche Chemikalien wie Bisphenol A, Phtalate oder Styrolverbindungen können, aus dem Plastik freigesetzt, Meeresbewohner schädigen, indem sie u.a. den Hormonhaushalt beeinflussen. Plastik hat außerdem die Eigenschaft, an seiner Oberfläche giftige Substanzen wie DDT oder PCB zu speichern. Von kleinsten Meerestieren aufgenommen, reichern sich diese Gifte in der marinen Nahrungskette an und landen letztendlich in Form von Fisch oder Meeresfrüchten bei uns auf dem Teller.

Die Lösung? Reduce, reuse, recycle!

Wie können wir verhindern, dass unsere Meere immer mehr zu einer Mülldeponie verkommen? Komplett auf alle Produkte aus Kunststoffen zu verzichten ist weder praktisch durchführbar noch ökologisch sinnvoll, wenn stattdessen Ersatzprodukte mit schlechterer Ökobilanz benutzt werden. Jedoch könnten wir in vielen Bereichen den Plastikverbrauch merklich reduzieren und dafür sorgen, dass deutlich mehr Plastik recycelt wird. Weltweit muss eine wertstoffliche Verwertung zum Standard werden, damit das Plastik nicht in den Meeren landet und ebenso weniger neues Plastik produziert werden muss. Die Schifffahrt sollte all den Müll an Land entsorgen. Deutsche Entwicklungshilfe könnte sich noch mehr darauf konzentrieren, deutsche Technologien und Knowhow in Länder zu exportieren, die noch keine funktionierende Müllsammelinfrastruktur haben. Um gesundheitliche Gefahren auszuschließen, sollten alle Inhaltsstoffe der Kunststoffe offengelegt und vor Einführung auf kurz- und langfristige Folgen getestet werden, was momentan keinesfalls die Regel ist.

rehab taten

  • Unseren Einkauf erledigen wir mit Rucksack oder Stofftasche und wir versuchen möglichst wenig verpackte Produkte zu kaufen.
  • Trinkwasser kaufen wir aus Glasflaschen oder wir sparen uns das Kistenschleppen und trinken hauptsächlich Leitungswasser. Wenn es doch eine Plastikflasche sein soll, kaufen wir eine PET-Mehrwegflasche und lassen die Einweg-Plastikflaschen im Regal stehen. Auch wenn sie 25 Cent Pfand kosten bedeutet das nicht, dass sie wiederbenutzt werden. Finanzielle und ökologische Vorteile von Leitungswasser finden sich im rehab impuls „Leitungswasser vs. Mineralwasser“.
  • Müll entsorgen wir ordnungsgemäß – d.h. wir recyceln so viel wie möglich und überlassen keinen Plastikmüll der Natur.
  • Beim Urlaub in Ländern, in denen es noch kostenlose Plastiktüten gibt, verzichten wir auf selbige.
  • Ob am Strand, beim Picknick im Grünen oder sonstwo – unseren Müll nehmen wir grundsätzlich wieder mit. Am besten immer mehr, als man selber mitgebracht hat. Sonst landet er früher oder später im Meer.
  • Wir ermutigen auch unsere Freunde ihren Müll sachgemäß zu entsorgen.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Näheres zum Problemstoff Bisphenol A. Warum ist es es schädlich und wo ist es drin?
  • Artikel auf focus.de (03/2012) über den Zusammenhang von Weichmachern und Fettleibigkeit sowie Diabetes

 


(1)  Rechnung: 6.400.000 t / 25t (Kapazität eines großen LKWs) * 17m (Länge eines großen LKWs) = 4352km