Warme Gespräche mit kalten Füßen

Draußen treffen, Leute kennenlernen und frische Luft genießen geht nur im Sommer? Denkste! Unser kleiner Rikscharrrrrrr und seine unstillbare Lust auf überraschendes Zusammenkommen wurde an einem frühwinterlichen Abend geboren, als Dorothea ihre Nachbarn einlud…
Seitdem ist natürlich schon viel passiert, aber lest den Anfang dieser wunderbaren Geschichte:

Am 11.11.2015 habe ich nicht die Faschingszeit eingeläutet, sondern ein wunderbares Fest mit meinen Nachbarn im Hinterhof unseres Wohnhauses gefeiert. Ungefähr 12 Parteien wohnen in unserem leider viel zu nah an der Autobahn gebauten Haus – und ich seit einem Jahr ganz oben in einer WG. Wirklich kennengelernt hatte ich bis dahin kaum jemanden außerhalb meiner eigenen Wohnung. Ein freundliches „Guten Tag“ auf dem Flur, Smalltalk im Fahrstuhl, Paketübergabe oder ab und zu eine Beschwerde wegen Ruhestörung. Das war’s dann aber auch mit zwischenmenschlicher Kommunikation.
Diesen Zustand wollte ich ändern. Die Rikscharrrrrrr von rehab republic hat mir dabei geholfen: Ein Termin war schnell gefunden, die Einladungen geschrieben und verteilt. Bei Einbruch der Dunkelheit kam Rikscharrrrrrr mit Lichterketten, Windlichtern und Musik im Gepäck zu uns angefahren. Tee und Plätzchen hatten sie auch im Gepäck. Wir rollten einen Teppich aus, stellten Hocker auf, servierten Plätzchen, Tee und Glühwein und nach und nach kamen die Nachbarn in den Hof hinunter. Alte und junge Menschen, Familien, WGs und alleine lebende, alteingesessen oder neu zugezogen. Alle waren neugierig zu erfahren, wer da eigentlich mit im Haus lebt. Einer brachte Bier mit, die Kinder erfreuten sich an unserem Punsch und den Plätzchen. Verstaubter Wein wurde heruntergeholt mit dem Kommentar „An dem habt ihr doch mehr Freude als ich“. Eine aus England zugezogene Frau mit Kindern betonte, wie schön sie die Veranstaltung fände, weil es ihr doch schwer falle, Anschluss zu finden. Ältere Menschen erzählten uns Geschichten vom Haus und der Veränderung in den letzten Jahren. Alles in allem hatten wir eine entspannte Zeit in vorweihnachtlicher Atmosphäre. Der heiße Tee und die warmen Gespräche ließen uns auch die Novemberkälte fast vergessen.


So mancher Konflikt lässt sich in so einem Umfeld auch besser lösen: Für einen Menschen mit Namen und Geschichte, mit dem man spricht, kann man in der Regel mehr Verständnis entwickeln als für anonymen Krach.
Was ist geblieben? Freunde habe ich keine neuen an dem Abend gefunden, aber ich habe einige Nachbarn sehr lieb gewonnen und viel weniger Hemmungen, mal zu klingeln, wenn ich Hilfe brauche. Bald löst sich meine WG leider auf und wir ziehen woanders hin. Unsere direkte Nachbarin, eine ältere Dame aus dem Iran, hatte Tränen in den Augen, als wir ihr das mitteilten. Sie hat mit dem harten Kern der WG schließlich acht Jahre Tür an Tür gelebt und sich gefreut, dass durch uns „junge Leute was los ist im Haus“. Auch ich war ganz wehleidig bei unserem Abschiedsrundgang.
In meiner neuen Bleibe will ich auf alle Fälle wieder ein Nachbarschaftsfest feiern. Aufwendig war das nicht und die Geschichten meiner NachbarInnen finde ich auch immer wieder spannend.

Hast Du auch Lust, die Leute von oben-hinten-mit Balkon mal kennenzulernen? Schreib uns doch.

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