Teurer Wohnen

In Deutschland gibt fast jeder Vierte mehr als 40 Prozent seines Haushaltseinkommens allein für Wohnkosten aus – stärker belastet ist in ganz Europa nur die dänische Bevölkerung.

Quelle: OECD

Mieten steigen – nichts neues möchte man meinen. Jedoch können  diesem Anstieg gerade die Einkommen von Geringverdienern, Familien und Rentnern immer weniger standhalten, so dass immer mehr Menschen sogar mehr als die Hälfte ihres Einkommens nur für ihre Wohnkosten ausgeben müssen.

Viele Einflüsse auf den Wohnkosten-Anteil am Einkommen

Aber ist es eigentlich schlimm, wenn wir viel Geld für unsere Miete ausgeben? Man muss hierbei durchaus stark differenzieren. Vielen Menschen ist ihre Wohnung, in der sie einen Großteil ihres Lebens verbringen, schlichtweg sehr wichtig. Sich dort wohl zu fühlen und im Lieblingsviertel zu wohnen, ist vielen wichtiger, als beispielsweise ein teures Auto zu fahren oder jedes Jahr in den Urlaub zu fliegen. Wer mehr Wert auf seine Wohnung als auf Konsum- oder Urlaubsausgaben legt, wird logischerweise einen höheren Anteil seines Einkommens für die Wohnkosten ausgeben.
Andere dagegen geben vielleicht nur 10% des Einkommens für eine kleine Wohnung aus, weil sie den Feierabend sowieso bei Freunden verbringen und ihr Geld lieber in ihr teures Hobby stecken. Jeder sollte hier also für sich den individuell besten Weg finden und wählen können.
Leider gibt es aber immer mehr Menschen, die eine solche Wahlmöglichkeit nicht haben. Gerade in überfüllten Großstädten, in denen Wohnungsknappheit herrscht, bleibt ihnen nichts anderes übrig als einfach die billigste Wohnung zu nehmen, die sie finden können und müssen für diese trotzdem mehr als die Hälfte ihres Einkommens bezahlen.

Geringverdiener geben fast die Hälfte des Einkommens für Wohnkosten aus

Menschen mit einem geringen Einkommen von etwa 1300 Euro müssen inzwischen durchschnittlich sogar 48,8 Prozent für Miete, Strom und Gas sowie andere Nebenkosten aufbringen. Laut dem Statistischen Bundesamt hat sich dieser Anteil seit 2001 um neun Prozent erhöht. Für alle Einkommen liegt der Wohnkosten-Anteil bei 25 Prozent – deutschlandweit.
Neben erhöhten Energie- und Instandhaltungskosten sind vor allem die Mietkosten für den Anstieg verantwortlich. Die gestiegenen Mietpreise wiederum haben diverse Gründe. So fehlen vor allem in den Großstädten immer mehr Wohnungen, was die Mietkosten  aufgrund von Angebot und Nachfrage automatisch in die Höhe treibt. Günstiger Wohnraum wird im Zuge von Sanierungen oft durch sehr teure Luxuswohnungen ersetzt und Menschen mit geringen Einkommen, müssen sich eine andere Wohnung suchen – eine billige Wohnung, von denen es jedoch immer weniger gibt.

Zahl der Sozialwohnungen ging in der vergangenen Jahren stark zurück

Das liegt auch daran, dass die Zahl der Sozialwohnungen in Deutschland in den vergangenen Jahren um etwa ein Drittel (!) zurückgegangen ist. Während es 2002 noch 2,47 Millionen Sozialwohnungen in Deutschland gab, sank diese Zahl bis Ende 2010 um etwa 800.000 auf nur noch 1.660.000 Wohnungen.
Ein weiterer Grund, für den steigenden Anteil der Wohnkosten am Einkommen ist, dass bei vielen Niedrigverdienern der Lohn nicht mit den steigenden Lebenserhaltungskosten mithalten kann. Wenn die Einkommensschere zwischen armen und reichen Menschen (siehe rehab impuls hierzu) nicht kleiner wird, wird es zwangsläufig immer mehr Leute geben, die im Wettbewerb um Wohnungen nicht genügend Geld aufwenden können – also ist das Wohnungsproblem auch sehr eng mit der Frage der Verteilung von Vermögen in unserer Gesellschaft verbunden.
Auch wenn es schwierig ist, auf persönlicher Ebene etwas für erschwingliche Wohnungen zu tun, sind wir nicht ganz machtlos:

  • Das wichtigste Instrument zur Verbesserung der Wohnsituation für Geringverdiener liegt sicher in der Kommunalpolitik: Schaut doch bei der nächsten Kommunalwahl mal genau hin, wer sich am meisten für erschwinglichen Wohnraum einsetzt.
  • Wohnungseigentümer müssen nicht immer mehr Miete verlangen, nur weil sie es könnten. Auch so kann Wohnraum erschwinglich bleiben.
  • Als Mieter ist man nicht machtlos. Informier` Dich über Deine Rechte und setze Dich dafür ein. Zum Beispiel beim Deutschen Mieterbund.

 

Weiterführende Informationen

Im bundesweiten Vergleich ist der Anteil der Wohnkosten am Einkommen überraschenderweise sehr ähnlich: „Die Miete schluckt 20 Prozent der Einkommen“, Die Welt, August 2012

„Zahl der Sozialwohnungen drastisch gesunken“, Ruhrnachrichten, August 2012:

„Deutsche Großstädte sind nichts für Geringverdiener“, ZEIT, August 2012