Als „Fleischfresser“ rein pflanzlich ernähren: Geht das?
Die Spielregeln und Markus‘ Tag 1

Nachdem ich mittlerweile den ein oder anderen Veganer kenne, ist die Antwort eigentlich klar: Ja, das geht.

Aber eine andere Frage ist für mich nicht so klar beantwortet: Schaff` ich das auch?

Ich habe mir gestern mal überlegt, ob ich schon einen einzigen Tag meiner mittlerweile fast 29 Jahre vegan gelebt habe… und ich glaube, wenn ich das erste halbe Jahr meines Lebens abziehe (solange wurde ich nach Auskunft meiner Mama gestillt), lautet die Antwort: nein. Unter Umständen gab es da im ecuadorianischen Dschungel mal den ein oder anderen Tag, das will ich nicht ausschließen aber hier in Deutschland: definitiv nein. Käse und Butter aufs Brot, Milch ins Müsli, Sahne und Käse zum kochen, Eier in die Knödel oder zum morgendlichen Rührei verarbeitet – all das ist schwer wegzudenken. Naja, eigentlich habe ich noch nie versucht, mir das wegzudenken. In Bezug auf Fleisch, habe ich weniger Bedenken: Mein Fleischkonsum hat sich von 7 Tage pro Woche vor 5-6 Jahren mittlerweile auf 0-2 Tage pro Woche reduziert. Damals aß ich jeden Tag Fleisch oder Wurst, bis ich mir zur Fastenzeit vornahm, mal gänzlich darauf zu verzichten – schwupsdiwups: es ging problemlos. Ich lernte Alternativen kennen und seither kommt deutlich weniger Fleisch in meinen Rachen, wenngleich ich mir ab und an ein leckeres Stück gönne. Da ich es seltener esse, darf das dann ruhig etwas mehr kosten.
Nun wollen Andi und ich während der Fastenzeit für 40 Tage tierische Produkte gänzlich links liegen lassen. Und zwar weil wir zum einen davon ausgehen, dass es schon ein Gewinn ist, sich wieder mal bewusst zu werden, was man sich so verabreicht und zum anderen wissen wir beide, dass neben Fleisch- auch Milch- und Eierprodukte meist einen größeren Einfluss auf die Ressourcen unsere Erde haben, als eine pflanzliche Ernährung. Bis Ostern werden wir sicher noch recherchieren, welchen Einfluss genau und vielleicht gehen wir darauf an anderer Stelle näher ein.

Die Spielregeln zum Mitschreiben:

  • Es kommt kein tierisches Produkt auf unseren Teller. Also alles was einmal gelebt hat (Fleisch, Wurst, Fisch,…) ebenso wenig, wie alles was mal in einem Tier war – sprich alle Produkte, die aus Kuh-, Ziegen- oder sonst einer Milch hergestellt werden (Käse, Butter, Joghurt, Quark, …), alle Produkte, die Ei beinhalten und Honig. Dazu gehören dann eben auch recht viele verarbeitete Speisen wie (Eier-)nudeln, Knödel, Spätzle, Pizza, Pfannkuchen, Kuchen und weitere Süßspeisen, Schokolade, Gummibärchen (Gelatine!) und und und.
  • Ausnahmen? Keine. Zumindest solange wir was anderes zum Essen finden und eine gesunde Ernährung sicherstellen können.
  • Wir beschränken uns vorerst auf Lebensmittel. Das heißt sonstige tierische Produkte aus dem Alltag wie Leder, Schafswolle, etc. nutzen wir weiter, wenngleich wir keine neuen tierischen Produkte kaufen. Kosmetika, die oft tierische Produkte beinhalten oder Tierversuche verursachen, bleiben erst mal erlaubt, da wir noch keine Zeit zur Recherche hatten. Allerdings können Andi und ich unsere benutzten Kosmetika ohnehin an einer Hand abzählen. Gegen Ende des Selbstversuchs werden wir versuchen, bei allen Konsum- und Gebrauchsgütern Tierisches zu vermeiden.

vegan_mm_cordon bleuDer vorerst letzte Tag mit tierhaltigem Speiseplan ging mit leckerem Cordon bleu zu Ende.

Los geht’s!

DSC_0935Nachdem ich mich nicht wirklich auf Tag 1 meines veganen Lebens vorbereitet habe, hieß es nach dem Klingeln des Weckers am Aschermittwoch erst einmal alle Produkte auszusortieren, die für mich ab sofort tabu sind: Butter, Streichkäse, 2 verschiedene Käsesorten, Eier und Milch. Freunde freuten sich über diese unverhoffte Gabe. Mein Honig lernt jetzt erstmal die hinteren Ecken meines Schrankes kennen. Der wird ja nicht schlecht.
Ein paar Sachen bleiben dann doch noch in meinem Vorratsschrank, aber besonders ausgewogen wäre es nicht, wenn´s dabei bliebe. Daher steht mir jetzt in den nächsten Wochen sicher einiges an Recherche bevor: Wo sind versteckte tierische Produkte enthalten? Gelatine oder Milchpulver sind nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Und welche Alternativen gibt es zu den aussortieren Lebensmitteln?
Die erste Recherche war recht positiv. vegan_mm_hofpfistereiDarf ich Brot essen? Zu meinem Glück ergab der Blick in die Zutatenliste des Brot-Sortiments bei der Hofpfisterei, dass bis auf 2 Brote alle vegan sind. Somit dürfte eigentlich zumindest die Grundlage meines Frühstücks gebongt sein… easy! Ein Blick ins Süßspeisen-Sortiment war allerdings ernüchternd: keine Chance – da geht gar nix!

Das gab´s am Tag 1 zu essen:

Frühstück: nichts. Nicht, weil ich nichts da gehabt hätte… ich hatte keine Zeit. Scheiß Zeitmanagement. Morgen wird das anders!
Mittagessen: Der beste (und einzige?) vegane Döner der Stadt! Der wurde Andi und mir auf unserer facebook-Seite empfohlen. Allerdings ist das ja fast kein GeheimAndi4tipp mehr. Und da ich den auch in meiner nicht-veganen Zeit schon mindestens 10 mal gegessen habe, war es keine Überraschung, dass er sau lecker ist. Statt Fleisch gibt´s hier selbstgemachtes Seitan (Das wird aus Weizen hergestellt. Wie? Keine Ahnung, aber Wikipedia weiß das). Statt Joghurt-Soße, gab´s bei mir eine leckere Ingwer-Curcuma-Soße. Vegan versteht sich. Daran, dass Fleisch oder sonstige tierische Produkte fehlen, denkt man beim Verzehr dieses Gerichts definitiv nicht. Nein, das ist keine Schleichwerbung sondern bewusste Werbung (auch wenn ich leider nicht mal nen Döner dafür bekomme): Der vegane Döner oder Dürüm im Royal-Kebabhaus schmeckt geil! Probiert ihn!
Abendessen: Schon wieder Zeitmangel: Vor dem Sport gab`s eine seltsame Brotzeit- Mischung: Äpfel, Karotten, kalte Rosmarin-Kartoffeln von gestern, 2 Semmeln mit leckerem Paprika-Tomatenaufstrich. Hmm, vielleicht wäre Zeitmangel-Fasten auch ganz gut?

Mein erster Eindruck: Völlig satt gehe ich ins Bett – verhungern werd` ich nicht. Auswärts gab´s den leckeren Dürüm, sogar das geht. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass das „zwischendurch schnell was essen“ eine Herausforderung wird. Aber zu Hause ist meine Kreativtät noch ausbaufähig, sonst werden die nächsten 40 Tage sehr fad. Aber das wird.
Damit meiner Kreativtät nichts im Wege steht, war ich auch noch einkaufen und hab paar Sachen gekauft, die ich von Veganern schon mal aufgeschnappt habe: Da sollte Milch- und Sahneersatz dabei sein. Mal schauen, ob´s auch schmeckt. Ich bin gespannt!DSC_0939

 

Mahlzeit! Markus

 

 

 

Weiterlesen:
Spielregeln
Markus Tag 1Tag 8, Tag 14, Tag 25Tag 36
Andi Tag 1, Tag 6, Tag 11, Tag 40
Charlotte Tag 1, Tag 15
Andi und Markus essen auswärts, grillen an der Isar
Fastenbrechen

Schlagwörter: