Fleischfrei im Trend

Wegschauen is(s)t nicht mehr! In den letzten 30 Jahren hat sich die Anzahl der Vegetarier in Deutschland fast verzwanzigfacht! Heute sind es schon über 6 Millionen.

Quelle: Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach. Eine Grafik dazu und die Ergebnisse weiterer Studien sind einsehbar auf den Seiten des VEBU.

Eine von Nestlé im Jahr 2011 beim Institut für Demoskopie Allensbach in Auftrag gegebene Studie beziffert die Anzahl der Vegetarier in Deutschland auf 6,92 Millionen Menschen. Die erste gleichartige Studie, 1983 von der Gesellschaft für Konsumforschung durchgeführt, kam auf gerade einmal 360.000. Innerhalb dieser dreißig Jahre hat sich die Anzahl der Vegetarier also verzwanzigfacht!

Moralische und gesundheitliche Gründe

Die Beweggründe weniger oder gar kein Fleisch mehr zu essen, sind so zahlreich wie die Formen des Vegetarismus. Die Mehrzahl der Vegetarier lehnt die Tötung von Tieren und die Zustände in der Massentierhaltung ab. Vielen geht es zudem um die verheerenden Umweltauswirkungen der Tierhaltung: Ein Kilogramm Rindfleisch etwa produziert so viele Treibhausgase wie 50-70 Autokilometer.
Ein Großteil der Weltgetreide- und Sojaernte wird an Masttiere verfüttert. Dafür werden große Flächen Tropenwald abgeholzt, einer der wichtigsten Kohlenstoffspeicher unserer Erde. Würden wir Menschen das Getreide oder Soja direkt essen, wäre deutlich weniger Fläche dafür nötig, da auf der „Zwischenstation“ Rind viel Energie verloren geht. Laut der Vereinten Nationen stellt die Intensiv-Tierhaltung einen der drei wichtigsten Verursacher globaler Umweltprobleme dar.
Nicht nur die Sorge um Tiere und Planeten spielt bei der Ernährungsumstellung eine Rolle. Auch die eigene Gesundheit profitiert von einem verringerten Fleischkonsum. Studien belegen den Zusammenhang eines hohen Fleischkonsums mit Schlaganfällen, Herzkrankheiten, Diabetes und verschiedenen Krebsarten. BSE, Schweinepest, Gammelfleisch, Dioxin – die Lebensmittelskandale der letzten Jahre haben die Verbraucher überdies skeptisch gemacht. Die Verunsicherung über die Herkunft der Ware wird zunehmend größer und die Qualität des Fleisches aus dem Supermarkt nicht besser.

Bedeutet das den kompletten Verzicht auf Steak, Würste und Co.?

Die Schattenseiten der Viehzucht und Fleischproduktion können einem schon den Appetit auf Steak und Wurst verderben. Ein kompletter Verzicht darf sein, muss aber nicht. Der Lösungsvorschlag für die Fleischesser unter uns liegt auf der Hand: weniger, dafür aber mit mehr Genuss. Damit wir uns sozusagen nicht ins eigene Fleisch schneiden. Im besten Fall sollte dann ein Tier aus nachhaltiger Landwirtschaft der Region auf dem Tisch landen. Denn regionales „Biofleisch“ hat viele Vorteile: es stammt aus artgerechter Tierhaltung, die Transportwege sind kurz, es wurde kaum Futter aus dem Ausland importiert und es enthält keine Antibiotika. Wer sich Fleisch nur noch zu besonderen Anlässen beim Metzger seines Vertrauens oder einem Ab-Hof-Verkauf gönnt, der hat den ersten Schritt zu einer bewussteren, gesünderen und humaneren Ernährung schon getan.

 

  • Wir essen nicht mehr jeden Tag Fleisch und lernen so, Fleisch wieder mehr zu schätzen. Probiert doch mal 3 fleischfreie Tage pro Woche aus…eine komplett vegetarische oder sogar vegane Ernährung hat natürlich eine noch bessere Ökobilanz.

  • Wir kaufen unser Fleisch beim Metzger unseres Vertrauens – am besten beim Bio-Metzger.

  • Wir setzen uns mit der industriellen Tierhaltung und ihren Folgen auseinander und verdrängen das Thema nicht.

  • Wir greifen im Supermarkt nicht immer zu den gleichen tierischen Produkten, sondern probieren mal andere vegetarische Alternativen aus, z.B. leckere vegetarische Brotaufstriche, die wir bisher nicht beachteten.

  • Beim Kochen zu Hause probieren wir noch öfter schmackhafte vegetarische Gerichte aus – Internetseiten mit vegetarischen Rezepten gibt es weiter unten.

 

Weiterführende Informationen

  • Was hat Fleisch mit Wald, Ernährung, Klima und Konsum zu tun? Das fast der WWF gut zusammen auf den Seiten der „Fleischfrage“.
  • Was sind Vegetarier und welche Formen des Vegetarismus gibt es? Das steht in diesem Eintrag im Umweltlexikon des Instituts für angewandte Umweltforschung.
  • Fleisch aus Bio-Produktion sorgt für mehr Auslauf der Tiere und für regionalere Fütterung. Weitere Kriterien der Biosiegel zeigt dieses Hintergrundpapier des WWF
  • Zu viel Fleisch ist ungesund. Warum, zeigt dieser Artikel aus der SZ vom 12.09.2012.