Flugfreies 2019 – bewusst am Boden bleiben

Wir nehmen unsere Zukunft in die Hand und rufen 2019 zum flugfreien Jahr aus!
Magst auch Du Teil der über 90 % der Menschen auf unserer Erde sein, die 2019 nicht in ein Flugzeug steigen werden?
Nicht fliegen heißt: einfach mal am Boden bleiben, in Europa urlauben und damit einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Was sagen die Zahlen?

Fliegen ist eine der größten Quellen von CO2-Emissionen, die eine Einzelperson verursachen kann. Wenn wir das 2-Grad-Ziel erreichen wollen, liegt das klimaverträgliche CO2-Jahresbudget eines Menschen bei unter 2 Tonnen CO2 pro Jahr.
Zum Vergleich: Nach Daten des Umweltministeriums liegt der durchschnittliche CO2 -Verbrauch in Deutschland derzeit bei 9,6 Tonnen,  weltweit sind es 4,8 Tonnen. (Ähnliche Zahlen liefert Atmosfair). 
Und Fliegen? Eine Flugreise produziert schnell mehr als dieses Jahresbudget: bei einem einfachen Flug von München nach Bangkok werden zum Beispiel 2,9 Tonnen CO2 emittiert.

Quelle: BMU

Fliegen ist ein wachsendes Geschäft, dabei sind die meisten Menschen noch nie geflogen

2019 steht vor der Tür und leider hat sich politisch nichts am Status Quo geändert:
Flüge sind weiterhin oft günstiger als klimaschonendere Verkehrsmittel. Unter anderem, weil es keine Steuer auf Kerosin gibt, externalisierte Kosten von anderen getragen werden und Low Budget Unternehmen wie Ryan Air durch schlechte Arbeitsbedingungen die Preise drücken.

Werbung vermittelt uns, Fliegen sei grundlegend für ein internationales, kosmopolitisches und erfülltes Leben. Nicht zuletzt sind die Fluggastzahlen 2017 um knapp 7,1% gestiegen. Insgesamt wurden 4,1 Milliarden Passagiere transportiert. Das bedeutet aber nicht, dass viele Menschen auf der Welt in den Genuss kommen. Denn eine Person, die 10 Mal fliegt, zählt als 10 Passagiere.  Die meisten Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2017 nur 3-6 % der Menschen geflogen sind, einige davon aber sehr häufig.

Was muss sich ändern?

Damit sich etwas ändert, fangen wir bei uns selbst an („be the change you want to see in the world“) und verzichten ein Jahr aufs Fliegen. Und dann braucht es vor allem politische Änderungen, die die Rahmenbedingungen des weltweiten Transportsystems verändern. 13 Vorschläge für Veränderung hat die global agierende Initiative stay grounded verfasst. Sie fordern einen gerechten Übergang auf andere Verkehrsmittel, der nicht auf dem Rücken der Arbeiter*innen des Flugsektors ausgetragen wird und haben auch konkrete Forderungen zur Umsetzung. Beispiele sind die Besteuerung von Kerosin, der Baustopp für die Flug-Infrastruktur oder ein Verbot der Werbung für Luftfahrt. Wer Lust hat, mit stay grounded politisch etwas zu verändern, kann sich bei dem frisch gegründeten deutschen Ableger „Am Boden bleiben“ melden.

Vielen ist Klimaschutz eigentlich wichtig, doch der Verzicht aufs Fliegen fällt schwer

DU UND ICH – NUR EIN BISSCHEN INKONSEQUENT?

Es gibt viele Menschen – uns eingeschlossen – denen Klimaschutz wichtig ist, und die gleichzeitig sehr am Fliegen hängen. Viele ökologisch bewusste Menschen haben kein Problem damit, weniger Fleisch zu essen oder als Städter aufs Auto zu verzichten. Das Licht schalten wir immer aus und wir kaufen regional ein – aber der Flug für 6 Tage nach Sri Lanka oder für einen Job nach New York, das gehört irgendwie dazu zum guten Leben.

SELBSTVERSTÄNDLICHES HINTERFRAGEN

Viele von uns fühlen sich in ihrer Freiheit und Entfaltung stark eingeschränkt, wenn sie weniger fliegen und denken sich häufig, dass es eh keinen Unterschied macht, wenn er oder sie selbst nicht ins Flugzeug steigt.
Dazu kommt unser Eindruck, fliegen sei etwas „Normales“ und „Alltägliches“, denn wir sind umgeben von Menschen, die häufig fliegen. Wie privilegiert wir sind, wird klar, wenn man sich nochmals die Zahlen vor Augen führt: Nur 3 – 6 % der Menschen auf der Erde sind 2017 geflogen – vermutlich kennen wir sehr viel weniger der >90%.

Wir gehören also zu der kleinen Gruppe Menschen, die für einen überproportional großen Ausstoß von CO2 verantwortlich ist – auf ca. 5 Prozent wird der Beitrag des Flugverkehrs zum Klimawandel geschätzt. Und mit den rasant steigenden Passagierzahlen derzeit wird es immer unwahrscheinlicher wird, ein Deckelung der Erderwärmung von 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Auch das 2-Grad-Ziel rückt in immer weitere Ferne.
Nicht zuletzt bedeutet das, dass wir unsere Wahrnehmung ändern müssen: Nicht wir – die Vielen – schränken sich ein, weil ein paar Menschen unter dem Klimawandel leiden. Sondern: Viele Menschen müssen sich immens einschränken und verlieren ihre Lebensgrundlage, weil ein kleiner Teil der Menschheit (der immer größer wird) fast wie selbstverständlich durch kurze und lange Flugreisen große Mengen an CO2 ausstoßen kann.

Gemeinsam #einfachmalnichtfliegen

Natürlich gibt es Fälle, in denen Fliegen (vermeintlich) unumgänglich ist. Wenn der Job davon abhängt oder die Familie weit entfernt wohnt und man nur wenige Tage hat, um sie zu sehen, gibt es oft keine andere Möglichkeit. Uns geht es nicht darum, den Flugverkehr morgen abzuschaffen, sondern darum, ein anderes Bewusstsein für seine ökologische Bedeutung zu schaffen. Und dann müssen wir zum einen persönlich abwägen (von „Ich fliege immer, weil es cool und praktisch ist“ zu „Muss ich wirklich diesen Flug nehmen und gibt es nicht gute Alternativen?“) und zum anderen die Rahmenbedingungen verändern.

Bisher fliegen wir oft auch ohne wirkliche Notwendigkeit, denn vom Wissen zum Handeln ist es bekanntlich ein großer Schritt. Was oft beim Handeln hilft, ist ein bisschen Gruppendruck. Lasst es uns also 2019 gemeinsam ausprobieren und #einfachmalnichtfliegen.

Im Job versuchen wir Alternativen zum Fliegen zu finden. Und unsere Urlaube in diesem Jahr verbringen wir irgendwo, wo man mit dem Zug, Bus, Auto oder Fahrrad hinkommt. Und dann schauen wir, ob wir davon wirklich unglücklicher werden. Meistens merkt man, wenn man sein Verhalten geändert hat, dass es gar nicht so schwierig ist, wie man es sich vorgestellt hat.

Auf facebook haben wir dazu eine Veranstaltung erstellt: „Flugfreies 2019: Stolz auf’s Nichtfliegen“
Darin werden wir mit der Zeit auch Tipps für den „Flugfreien Urlaub“ vorstellen und austauschen.

Was können wir also alle tun?

  • Nicht fliegen und stolz drauf sein! Die flugfreien Urlaube posten wir mit #flugfreies2019, #ambodenbleiben #flugfreierUrlaub #staygrounded‚ #einfachmalnichtfliegen, #zügestattflüge, #stolzaufsnichtfliegen oder #sonsteinhashtag
  • Beim Job Flug-Alternativen wie Bahnfahrten oder Videokonferenz einfordern
  • Mit Freunden und am Arbeitsplatz darüber sprechen, dass das Jedes-Jahr-wegfliegen nicht normal und nicht nötig ist für einen guten, spannenden und erholsamen Urlaub
  • Uns politisch dafür einsetzen, dass die Rahmenbedingungen für‘s Fliegen schwieriger und die für Alternativen besser werden. Da fällt uns viel ein: Kerosinsteuer, Mehrwertsteuer fürs Fliegen, Werbeverbot für Flugreisen, uvm. Du magst da politisch ran? Dann melde dich bei der frisch gegründeten Gruppe „Am Boden bleiben“

Wer noch mehr zum Thema Fliegen und Klimaschutz wissen will, findet hier mehr Infos:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.