GAU-Statistik

Restrisiko: Statistisch ist eine radioaktive Kontamination in Westeuropa durch einen Atomunfall alle 50 Jahre zu erwarten. 

Quelle: Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie, veröffentlicht im Journal „Atmospheric Chemistry and Physics“

Seit dem Bau des ersten Kernkraftwerks in Obninks (Sowjetunion) im Jahr 1954 gewinnt die Menschheit Energie aus der Kernspaltung. Im Laufe der Jahrzehnte ist die weltweite Zahl der Kernreaktoren bis auf derzeit 440 angewachsen. In vielen Ländern sind außerdem weitere Bauten geplant. Der Grund: Kernenergie sei preiswert, zuverlässig und bis auf die Endlagerfrage relativ sicher – so zumindest die Argumente der Befürworter. Neben den klassischen Umweltschutzorganisationen äußern in letzter Zeit jedoch auch vermehrt Vertreter aus der Wissenschaft ihre Kritik. Dass Atomstrom lange nicht so günstig ist wie oft behauptet, haben wir bereits vor einiger Zeit in einem rehab impuls gezeigt. Doch wie steht es tatsächlich mit der Sicherheit?

Viele Unfälle sind unvorhersehbar

Die Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze in einem Atomreaktor wurde bisher in der Regel als extrem gering eingestuft. Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) errechnete im Jahr 1999 eine zu erwartende Häufigkeit von einem GAU alle 250.000 Reaktorjahre. Berechnungen dazu basieren auf der Annahme möglicher Störungen, den hypothetischen Störfallabläufen sowie weltweiten Störfallmeldungen aus Atomkraftwerken.
Das Problem dabei: es werden nur solche Szenarien berücksichtigt, die im Vorhinein als mögliche Unfallursachen angenommen und deswegen in die Störfallabläufe der Atomkraftwerke einbezogen sind. Der Unfall in Fukushima jedoch hat gezeigt, was eigentlich selbstverständlich ist: Viele Unfälle haben die Eigenschaft, dass ihr Zustandekommen unvorhersehbar ist.

Simple Wahrscheinlichkeitsrechnung

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts (MPI) für Chemie haben deshalb die Wahrscheinlichkeit eines atomaren Unfalls aus den tatsächlich vorliegenden empirischen Daten neu berechnet. Die bisherige addierte Gesamtlaufzeit aller Atomreaktoren weltweit seit der Inbetriebnahme des ersten Kraftwerks beträgt 14.500 Jahre. Dabei kam es zu insgesamt vier Kernschmelzen: eine in Tschernobyl und drei in Fukushima. Je nachdem ob man Fukushima nun als einen oder als drei Unfälle betrachtet, entspricht das einem GAU alle 3.625 oder alle 7.250 Reaktorjahre. Da der Unfall in Fukushima gerade erst geschehen ist und die Häufigkeit somit tendenziell nach oben verfälscht, runden die Wissenschaftler auf einen GAU alle 5.000, respektive alle 10.000, Reaktorjahre ab. Die Eintrittswahrscheinlichkeit ist somit 25 mal größer als zuvor mit den Annahmen der GRS berechnet. Bei derzeit weltweit 440 Kernreaktoren müssen wir demzufolge einen GAU irgendwo auf der Welt alle 10 bis 20 Jahre erwarten! Die größten Gefahrenzonen befinden sich aufgrund der hohen Kraftwerks- und Bevölkerungsdichte in Westeuropa und in Südasien. In Westeuropa etwa muss die Bevölkerung nach den Berechnungen des MPI mit einer radioaktiven Verseuchung alle 50 Jahre rechnen. Dabei wären im Durchschnitt 28 Millionen Menschen betroffen.

 

  • RAUS aus der Atomkraft, REIN in die Erneuerbaren! Wir selbst können den Ausbau der erneuerbaren Energien am ehesten durch den Wechsel zu einem reinen Ökostromanbieter forcieren. Das geht schnell, unkompliziert und spart oft sogar noch Geld (siehe rehab impuls vom 21.09.2012). Der schnellere Ausbau der erneuerbaren Energien verhindert nicht nur Atomstromimporte sondern zeigt auch anderen Ländern, dass es auch ohne Atomstrom geht.

  • Wir legen unser Geld bei einer nachhaltigen Bank an, anstatt indirekt Atomkonzerne zu unterstützen. Informationen zur Frage „Wie radioaktiv ist meine Bank?“ inklusive Wechseloptionen finden sich auf der Seite von urgewald.

  • Wir nutzen unsere politischen Einflussnahmemöglichkeiten, um nicht nur in Deutschland  Atomkraftwerke möglichst rasch durch erneuerbare Energien zu ersetzen.

 

Weiterführende Informationen

  • Die alten Berechnungen der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit

  • Weitere Gründe gegen Atomkraft sind auf den Seiten von ausgestrahlt zusammengefasst.
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