Haie – Monster der Tiefsee?

Jedes Jahr sterben weltweit circa 10 Menschen in Folge eines Haiangriffs. Im gleichen Zeitraum fallen dem Menschen über 100 Millionen Haie zum Opfer.

Quelle: Sharkproject e.V.

Schon mal Hai gegessen? Nein? Sicher nicht? Da die Meere überfischt sind und beliebte Speisefische immer seltener werden, landet oft auch Haifisch auf den hiesigen Fischtheken.

 

Haie werden unter anderem als Seeaal oder Schillerlocken vermarktet

In Deutschland wird Haifleisch vor allem unter anderem Namen vermarktet, da dies besser ankommt. Seeaal, Schillerlocken und Steinlachs sind nur ein paar Beispiele. Auch für die Produktion des beliebten „Fish & Chips“ der Briten wird häufig Dornhai benutzt.
Oftmals wird man darauf aufmerksam gemacht, wie gefährlich der Hai dem Menschen werden kann, wobei es eigentlich der Mensch ist, der dem Hai gefährlich wird. Jedes Jahr fallen über 100 Millionen Haie dem Menschen zum Opfer. Das sind mehr als 3 Haie pro Sekunde! Wie viele Haie genau getötet werden weiß niemand, manche gehen sogar von 200 Millionen getöteten Haien aus. Das Töten der Haie hat unterschiedliche Ursachen: 30% werden als unerwünschter Beifang tot über Bord geworfen, die anderen 70% werden für ihr Fleisch oder ihre Flossen getötet. Im Vergleich dazu sterben pro Jahr “nur” ca. 10 Menschen an den Folgen eines Haiangriffs. Keine Frage, es wäre besser wenn es 10 Menschen weniger wären, aber es bleibt festzuhalten, dass jährlich weit mehr Menschen von Blitzschlägen oder Hunden getötet werden als von Haien. Dennoch treibt die Angst vor Haien die meisten Menschen dazu, keine Sympathien für diese Tiere zu entwickeln.

Haien werden bei lebendigem Leib die Flossen abgeschnitten

Eine der erschreckendsten Haifang-Methoden ist das so genannte Finning. Hierbei werden dem gefangenen Hai bei lebendigem Leib die Flossen abgeschnitten und das noch lebende Tier zurück ins Wasser geworfen, wo es qualvoll, manchmal erst nach mehreren Tagen, verendet. Somit sparen sich die Fischer Platz und können größere Mengen des kostbaren Guts verladen. Die Flossen werden vor allem in China als Delikatesse und Potenzmittel vermarktet, wo schon mal $50 für eine Haifischflossen-Suppe bezahlt werden.
Aber auch in Europa ist die Nachfrage nach Haifischprodukten groß. Zunehmend bieten führende Supermarktketten Hai-Steaks oder andere Haifisch-”Delikatessen” wie Kalbsfisch (Heringshai-Steak) oder Schillerlocken, die geräucherten Bauchlappen des Dornhais, an. Die phantasievollen Namen lassen dabei den Verbraucher meist nicht mal mehr erahnen, dass er soeben Haifisch kauft. In der Pharma- und Kosmetikindustrie finden Hai-Produkte einen weiteren reißenden Absatz: Collagen, das “Wundermittel” vieler Schönheitscremes, wird aus den Knorpelskeletten von Haien und Rochen gewonnen.

Ein lebendes Fossil vom Aussterben bedroht

Haie sind eine der ältesten noch existierenden Arten unseres Planeten. Schon vor rund 400 Millionen Jahren (200 Millionen Jahre früher als die ersten Dinosaurier!) schwammen sie durch unsere Meere und haben sich seitdem kaum verändert, was zeigt, wie gut diese Tiere an ihre Umwelt angepasst sind. Heutzutage gibt es an die 450 Haifischarten, von denen nun rund 100 auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten stehen.
Haie sind keine gewöhnlichen Fische. Statt Knochen haben sie Knorpel, sie haben keine Schuppen und keine Schwimmblase. Auch in der Fortpflanzung unterscheiden sich Haie von Fischen und dies könnte ihnen auf Grund der rasend schnellen Überfischung zum Verhängnis werden. Während Lachse oder Störe Millionen von Eiern legen, sind 80% der Haie lebendgebärend. Dadurch können Haie nur eine geringe Anzahl an Nachkommen produzieren. Zusätzlich wirkt sich auch die späte Geschlechtsreife der meisten Arten negativ auf ihre Populationsdichte aus, da sie sich nicht von den hohen Ausbeutungsraten erholen können. Weibliche Dornhaie zum Beispiel werden frühestens mit 10 Jahren geschlechtsreif und sind dann über 2 Jahre lang trächtig. Nach dieser langen Tragzeit gebären sie nur bis zu 20 Jungtiere. Es können also unmöglich so viele Nachkommen gezeugt wie ausgewachsene Tiere weggefischt werden.

Haie sorgen für ein stabiles Gleichgewicht im Ökosystem Ozean

Dieser Rückgang der Haie hat massive Auswirkungen auf die fragile Ökologie der Meere. Haie stehen seit Millionen von Jahren an der Spitze der Nahrungskette – sie fressen kranke Tiere und andere kleinere Raubfische und sorgen somit für ein stabiles Ökosystem und eine gesunde Beutepopulation. Verschwinden die Haie aus den Meeren wird dieses Gleichgewicht extrem gestört: Die Beutepopulation kann sich drastisch vermehren und zu einem Rückgang der darunter liegenden Nahrungsstufe führen. In Florida, wo z.B. Hammerhaie extrem selten geworden sind, ist die Zahl der Stachelrochen, deren Beute, enorm gestiegen. Vor der Küste Australiens gehen die Hummerbestände zurück, da die Anzahl an Tintenfische durch die Abwesenheit von Haien, ihren natürlichen Fressfeinden, erheblich zugenommen hat. Wissenschaftliche Studien belegen auch, dass ein Korallenriff in nur einem Jahr ökologisch stirbt, wenn alle Haie getötet werden.

 rehab-Taten – was jeder tun kann

  • Wir sollten darauf verzichten, Produkte zu kaufen, die von bedrohten Tierarten stammen. Dazu gehören:
    • Fleisch vom Hai wie zum Beispiel Schillerlocken, Seeaal, Haisteak und Haifischflossensuppe
    • Arzneimittel und Kosmetika, die Produkte aus Haien enthalten, beispielsweise Hai-Leberöl.
  • Wir können unsere Freunde und Bekannte drauf hinweisen, dass es sich bei Schillerlocken, Seeaal, etc. um gefährdete Haiarten handelt. Nur wenn wir uns alle dessen bewusst sind, wird sich etwas ändern.
  • Beim Fischkauf sollten wir auf eine nachhaltige Fangmethode achten, damit möglichst wenig Haie als Beifang sterben müssen. Nachhaltig gefangenen Fisch erkennt man beispielsweise am MSC-Siegel.
  • Welcher Fisch bedenkenlos gegessen werden kann und auf welchen man lieber verzichten sollte, steht zum Beispiel im Fischratgeber von Greenpeace.
  • Wir sollten dafür eintreten, dass endlich die von Wissenschaftlern empfohlenen Fangquoten für Haie und andere Meeresbewohner übernommen und diese auch ausreichend kontrolliert werden.

Weiterführende Informationen

Wissenswertes rund um den Hai auf den Seiten des Sharkprojects
Eine Homepage mit Neuigkeiten und Publikationen zu Haien: Shark Alliance
Weitere Infos zum Hai auf den Seiten des WWF
Fischratgeber von Greenpeace: welchen Fisch kann man mit ruhigem Gewissen essen?
„20 things that kill more people than sharks every year“ auf BuzzFeed.com
Bilder u.a. von Finning im Clip „Over 73 Million Sharks Killed Every Year for Fins“:

 

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