Merry Offlineachten: Keine Weihnachtsgeschenke online shoppen!

Dieses Jahr gönnen wir den PaketbotInnen mal eine Pause. Nichts wird schnell-schnell online bestellt.
Stattdessen nehmen wir uns Zeit und geben uns Mühe, Geschenke zu finden, die Freude bereiten und nicht allzu viele Ressourcen verschlingen.

Alle Jahre wieder …

… machen wir uns auf die Suche nach Geschenken und wuseln mit den vielen anderen durch volle Straßen und Kaufhäuser.
„Den Stress tu ich mir nicht mehr an“, denken sich immer mehr Leute und bestellen „ganz bequem von zu Hause“. In der Tat ein verlockendes Konzept. Im Schnitt 16 Kleidungsstücke und viele Elektronikartikel bestellen die Deutschen mittlerweile pro Jahr im Internet. Entsprechend stark boomt der Online-Handel: Für 2018 erwartet der Handelsverband Deutschland einen Umsatz von 53,4 Milliarden Euro – viermal so viel wie noch im Jahr 2008.

Und wären da nicht

  • die zahlreichen Retouren von bis zu 60%, die für noch mehr Verkehrsaufkommen sorgen
  • die Vernichtung von Neuware in unvorstellbarem Ausmaß
  • die schlechten Arbeitsbedingungen in der Logistikbranche
  • die Berge an Verpackungsmaterialien
  • die verödenden Innenstädte und Dorfkerne
  • die unterirdische Steuerzahlmoral der weltweit agierenden Versandhandel-Größe

… dann, ja, dann wäre dieses Konzept vielleicht wirklich eine echte Alternative zum vorweihnachtlichen Geschenke-Kauf-Chaos.

Selbstversuch statt Gewohnheitstier

Auch als wir bei einem unserer Treffen kürzliche eine kleine Umfrage starteten: die Mehrheit bestellte dieses Jahr schon mehr als 10 Produkte im Internet. Das Online-Bestellen wird zur Gewohnheit. Damit das nicht so bleibt, stellen wir uns und euch eine Challenge: Kein Weihnachtsgeschenk online kaufen!

Dazu passend gibt es Geschenk-Alternativen und Fakten auf unserem facebook– und instagram– Kanal.

Die von uns recherchierten Hintergründe zur Challenge, Links und Tipps fassen wir für euch aber hier zusammen.

Welche Probleme bringt der Onlinehandel mit sich?

MÜLL AUS DEM ONLINEHANDEL

Der Verpackungsmüll aus Papier übersteigt sogar noch den Zuwachs des Verpackungsmülls aus Plastik. In Deutschland stellt die Papierindustrie schon über 50 Prozent Verpackungspapiere her. Papier ist zwar im Gegensatz zu Plastik ganz gut recycelbar, aber in Papier (und auch recyceltem Papier) steckt nicht nur viel Holz, sondern auch viel Wasser und Energie.
Außerdem stapeln sich auch Styropor, Luftpolster und andere Kunsstoffe nach dem Auspacken. Der Zusammenhang ist eindeutig: mehr Onlinehandel, mehr Müll.

SCHLECHTE ARBEITSBEDINGUNGEN

Große Onlinehandel-Plattformen und der Versanddienste stehen für Lohndumping und ungeregelte Arbeitszeiten.
Zuletzt musste am Black Friday bei Amazon gestreikt werden. Die Nachrichten häufen sich: befristete Anstellungen, keine Tarifverträge, schlecht bezahlte Überstunden, oft gibt es nicht mal einen Betriebsrat. Dass die Arbeitsbedingungen bei den Onlinehändlern schlechter ist als im Einzelhandel, ist wohl unbestritten.

AUSSTERBENDE DORFZENTREN & INNENSTÄDTE

Während der CO2-Ausstoß bei der Online-Bestellung geringer ausfallen kann als bei einem Einkauf in Einzelhandel, der das ganze Jahr über geheizt oder gekühlt und beleuchtet werden muss, treten da auch ganz andere praktische Probleme auf: Wird mehr online bestellt, müssen immer mehr Läden in Dörfern und Innenstädten schließen. Zu den Folgen zählen der zunehmende Leerstand in Geschäftsstraßen, immer kürzere Nutzungszyklen von Handelsimmobilien und damit die Verödung öffentlicher Räume.  So wird die Nahversorgung schlechter, was zu mehr Onlinebestellungen führt, weswegen noch mehr Läden schließen. Gerade in Kleinstädten ist das ein Teufelskreis, der u.a vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) untersucht wurde. Während Familien- und mittelständische Betriebe schließen müssen, wachsen die Umsatzzahlen der Weltkonzerne.

RETOURENBERGE – UND ZERSTÖRUNG

Passt nicht, gefällt nicht, sah auf dem Foto ganz anders aus – allein in Deutschland werden schätzungsweise pro Jahr mehr als eine Viertel Milliarde Pakete zurückgeschickt.

Doch das Problem mit den Retouren ist noch ein anderes: Im Sommer berichtete Frontal 21 (ZDF), wie Amazon massenhaft neuwertige Handys, Tablets oder Möbel verschrottet. Recherchen zufolge sollen sogar rund 30 Prozent der Retouren vernichtet werden. „Entsorgungs-Teams“ schreddern demnach an deutschen Amazon-Standorten pro Person täglich Warenwerte von bis zu 23.000 Euro.
Verlässliche Zahlen gibt es nicht, weil die Handelsunternehmen keine Zahlen veröffentlichen. Auch nicht dazu, wie viele der verschickten Waren zurückgeschickt werden. Doch besonders Online-Modehändler haben mit immer mehr Retouren zu kämpfen, mit teilweise mehr als 60 Prozent Retourenquote (laut der 2018 veröffentlichten Studie des EHI Retail Institutes). Zalando nannte eine Quote von ca. 50 % aller Waren.

Der Grund für die Vernichtung könnte in den Kosten liegen – für die Bearbeitung einer Retoure müssen Händler durchschnittlich 10 Euro auf den Tisch legen. Eine aufwendige Prüfung, Sichtung und Qualitätskontrolle der Artikel ist nötig, wenn Kleidung auf Gebrauchsspuren untersucht wird und Elektrogeräte auf Funktionalität. Das lohnt sich wohl nur bei manchen Produkten. Mehr zum Thema Rücksendungen beschreibt Greenpeace in seiner Veröffentlichung aus dem November 2018.

STEUERFLUCHT

Wir reden hier nicht vom Online-Kauf beim Buchhändler im die Ecke. Aber da wo der meiste Umsatz gemacht wird, nämlich bei global agierenden Unternehmen, wird auch viel unternommen, um Steuerzahlungen zu minimieren. Die Konzerne nutzen internationale Schlupflöcher und stecken viel Aufwand in Steuervermeidung. Mit Erfolg, wie u.a. der WDR, SZ und die WELT berichten. Geld für Onlineversand-Giganten fließt also eher in die Taschen weniger Wohlhabender, als über Steuern einen Beitrag zur Umverteilung zu leisten. Gleichzeitig profitieren sie natürlich auch von guter Infrastruktur, staatlich unterstützten Bildungsangeboten oder (s. oben zu Arbeitsbedingungen) sozialen Sicherungsnetzen).

Wie schenken, wenn nicht online?

Klingt nicht cool. Also mach mit bei der Challenge und kauf 2018 nicht mal ein klitzekleines Weihnachtsgeschenk online. Yeah!

.. Also schenken wir dann gar nichts? Tja, das wäre vielleicht gar keine schlechte Idee – viele Menschen könnten sich so mal viel Stress sparen und mehr Energie in gemeinsame Zeit stecken. Aber weil das für viele nichts ist und es ja auch Spaß macht, den Liebsten eine Freude zu bereiten, haben wir da ein paar Alternativen.

  1. In unserem Adventskalender auf facebook und instagram findet ihr täglich Geschenkideen unter dem Hashtag #merryofflineachten. Die Posts enthalten do-it-yourself-Tipps, Geschenkideen unter dem Motto „Zeit statt Zeug“ sowie Tipps für die lokale Beschaffung von Geschenken.
  2. Du magst Geschenke selber machen? Dann komm zu unserem DIY-Weihnachtsgeschenke-Workshop am 16.12.
  3. Vordenken fürs nächste Jahr:
    Üb‘ schon mal das Nachdenken für die kommenden Kaufentscheidungen und frag Dich immer wieder „Brauche ich das Ding wirklich?“, „Kann ich das nicht regional produziert kaufen? Oder zumindest in einem Laden bei mir ums Eck, um den Einzelhandel zu unterstützen?“

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