Sanitäre Versorgung

Scheiß die Wand an. Fast 40% der Menschen haben keinen Zugang zu angemessener Sanitärversorgung.

Quelle: „Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene für alle – ein Fundament für nachhaltige Entwicklung“

Was macht man, wenn man mal muss? Ganz klar: Eine Toilette aufsuchen. Die Suche danach dauert in den meisten Fällen, wenn überhaupt, nur wenige Minuten und danach sind wir, im wahrsten Sinne des Wortes, erleichtert. Nachdem das Geschäft verrichtet ist, werden die Ausscheidungen samt unliebsamen Gerüchen durch die Kanalisation abtransportiert und meistens sogar noch in der Kläranlage zu Energie und Humus umgewandelt. So läuft das bei uns. Toll! Doch was bei uns selbstverständlich ist, ist auch im Jahre 2013 bei über einem Drittel der Weltbevölkerung nicht der Fall.

Sanitärversorgung ist Menschenrecht!

Ohne sauberes Wasser und sanitäre Anlagen wird nicht nur die Gesundheit gefährdet. Auch die Bildungschancen werden vermindert und die Ernährungssicherheit wird eingeschränkt. Deshalb war es überfällig, dass der Zugang zu sauberem Wasser und Sanitärversorgung 2010 von der UN-Generalversammlung und dem UN-Menschenrechtsrat als Menschenrecht anerkannt wurde. Doch das alleine reicht natürlich nicht. Nach wie vor sind mehr als 780 Millionen Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser und 2,5 Milliarden Menschen fehlt es an ausreichender Sanitärversorgung – das ist mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung.

Sanitärversorgung ist mehr als die Toilette

Was versteht man eigentlich unter ausreichender Sanitärversorgung? Hier geht es nicht darum, eine Toilettenschüssel zu haben, die unserer ähnelt. Wer seinen Urlaub schon mal in fremden Ländern Urlaub abseits von Hotelburgen verbracht hat, weiß ohnehin, dass eine Kloschüssel nicht unserer ähneln muss, um zu funktionieren. Es geht um mehr: Die Sanitärversorgung hat das Ziel, die individuelle und öffentliche Gesundheit zu schützen, indem eine saubere Umwelt sichergestellt und vor allem die Krankheitsübertragung durch Keime unterbrochen wird. Sie muss daher ganzheitlich betrachtet werden: Neben der Toilette umfasst sie auch das Lagern, den Transport, die Behandlung und das sichere Management von Fäkalien und Abwässern – also beispielsweise die Kanalisation und das Aufbereiten des verschmutzten Wassers in Kläranlagen.

Gesundheit und Bildung leiden

Ist diese Versorgung nicht gewährleistet, bringt das viele Nachteile für die Bevölkerung mit sich. Der offensichtlichste davon sind Millionen von tödlichen Erkrankungen, die durch eine bessere Wasser- und Sanitärversorgung reduziert werden könnten. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass jährlich rund 2,4 Millionen Todesfälle und 9,1 Prozent aller Krankheiten durch bessere Wasser-, Sanitär- und Hygienebedingungen verhindert werden könnten. Alleine an Durchfallerkrankungen sterben weltweit täglich etwa 3600 Kinder unter fünf Jahren. Diese Erkrankungen beeinträchtigen die Gesellschaft auch dann, wenn sie nicht tödlich enden. Jedes Jahr fallen in den Entwicklungsländern fünf Milliarden Arbeitstage und mehr als 440 Millionen Schultage aufgrund von Erkrankungen aus, die mit mangelhafter Wasser- und Sanitärversorgung in Zusammenhang stehen. Fehlende oder mangelhafte Toiletten in Schulen führen des Weiteren besonders unter Mädchen im Menstruationsalter zu hohen Schulabbruchraten. Auch die Bildung und somit die Chancen auf einen besseren Job schwinden mit  schlechteren sanitären Bedingungen.

Engagement ist gefragt

Wir sind uns einig – es gibt genügend Gründe sich für eine bessere Wasser- und Sanitärversorgung in Entwicklungsländern einzusetzen. Doch wie machen wir das? Durch unsere Entscheidungen beim Konsumieren können wir zur Abwechslung nichts oder nur wenig beitragen. Hier ist politisches Engagement gefragt. Entwicklungszusammenarbeit in die richtigen Bahnen zu lenken und die betroffenen Länder dabei zu unterstützen, eine – an die lokalen Bedingungen angepasste – Sanitärversorgung aufzubauen, ist sicherlich die beste Möglichkeit, zu einer Besserung beizutragen. Auch das finanzielle oder tatkräftige Engagement bei Nichtregierungsorganisationen wie BORDA, German Toilet Organization oder Viva con Agua sind für jedermann eine gute Option, gegen die Missstände tätig zu werden.

 

  • Wir engagieren uns bei den oben und unten genannten Organisationen
  • Wir nutzen unsere politischen Gestaltungsmöglichkeiten: wir gehen wählen, beteiligen uns an Petitionen und kontaktieren unsere gewählten Volksvertreter, wenn sie sich nicht genug um das Thema angemessener Sanitäranlagen kümmern oder wir engagieren uns selbst in Parteien oder zuständigen Behörden.

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